Freitag, 31. Juli 2026

Kubinhaus in Zwickledt

ich liebe kubin und plötzlich finde ich hinweise auf ihn, eine sammlung in einem haus an der straße. leider nicht geöffnet. ein kubin-saal in schärding. von außen kann ich bilder erkennen. leider alles dicht, nettes plakat, aber keinerlei hinweis auf zugangsmöglichkeiten. enttäuscht trete ich den rückweg nach passau an, auf dem radweg am inn entlang. und dann, fast hätte ich es übersehen ein hinweis schild "kubin haus.

Nach gefühlt alles andere als moderater steigung komme ich an einem elendigen ortstaferl an: "zwickledt", 70 km/h erlaubt. da läuft wohl niemand über die straße. voll banger erwartung rolle ich ein wenig bergab und hinter einem wäldchen...tatsächlich. autos, leute (wenige). das kubin-haus. anette smolka erwartet uns zur führung.



ihre großeletern waren nachbarn, hatten werke von ihm, leider alles verscherbelt. das haus war ein ritterschlösschen und kubin verlebte hier 50 jahre bis zu seinem tod 1959. seine hedwig hatte ihn aus schwabing hierher "gerettet" um zur ruhe zu kommen, sie morphiumabhängig durch syphilis, er mit unendlich vielen ängsten. das haus, die räume, die aura sind magisch.

die laube, unverändert


Tragisch, dass von ihm nur vermarktet wird, wie düster und psychisch labil er war. hier im haus lebte ein anderer mensch, vielfältig, schöpferisch, verletzlich, humorvoll, fantasievoll mit einer beachtlichen community, besuchen, brieffreundschaften. eine liebevolle frau und eine außergewöhnliche haushälterin unterstützten ihn und profitierten von ihm, schufen den raum für sein schaffen.






Anette Smolka kennt so viele gute geschichten. einmal fiel im nachts die bettdecke auf den boden. er konnte sich 2 stunden nicht rühren, weil das mondlicht den weißen haufen fahl beleuchtete und wandern ließ. er las gerne medizinische bücher, in denen krankheiten beschrieben waren, um sich auszukennen, falls er die krankheit mal kriegen könnte. hedwig meinte: "du wirst noch mal am kindbettfieber sterben".
das haus hat mich vom radweg zu sich und seiner geschichte geholt. danke dafür.

arbeitszimmer

schlafzimmer





totenmaske

gruselig war nicht er, aber seine zeit. teilweise zumindest.




Freitag, 10. Juli 2026

Oh, my Bike

Viele Österreicher glauben, dass sie ein Mountainbike fahren müssen, weil ja ihr Land voller Mountains ist und dann strampeln sie mit Megahelmen und Mini-Rucksäcken und martialisch gefärbten Strampelsuits um den Neusiedlersee oder an der Donau entlang.

Außerdem verstehen Viele unter Breitensport, dass sie am besten alle nebeneinander auf der Strecke unterwegs sind und nur ungern bei Gegenverkehr ausweichen. Studiert man ein wenig Gesichtsausdrücke, spürt man, dass hier auf keinen Fall der Eindruck entstehen soll, dass es sich beim Beiken um ein Vergnügen handelt. Die Lenkeraufbauten mancher älterer Herren erinnern eher an den Arbeitsplatz von Kampfpiloten, manche hören laut ihr Lieblingsradio, andere zeichnen ihre Touren  mit der Helmkamera auf. Die Trikots bewerben Biere und sind knallbunt und neo und aus okkulten Kunstfasern. 

Die Jüngeren, hauptsächlich Herren, huldigen mittlerweile massenhaft dem Kampfsport unter den Bikern: dem Rennrad, in allen Farben, Formen und in sündteuren Materialien aus der Raumfahrt. Sie strampeln mit Tunnelblick durch alle Arten von Landschaften und schaffen es, diese nur als Hintergrundbild zu ihren Instrumenten wahrzunehmen. Hier geht es um ständige Optimierung, um in der Szene halbwegs ernst genommen zu werden. Der Gesichtsausdruck ist hier der Mission entsprechend kaum noch zu beschreiben. Emotionen sind nicht sichtbar, eher etwas zwischen Nirwana und Hirnstillstand. Und leider benutzen sie auch "zivile" Radrouten. Beim gnadenlosen Überholen suchen sie die Berührung, wollen mit ihrer Präsenz vermitteln, dass sie von einem anderen Stern kommen, wollen bedingungslosen Schrecken und Unterwerfung. Ihre Maschinen klingen wie die Jägerflotten des Imperators in Star Wars. In Rudeln werden sie zur Naturgewalt, können sogar Straßenverkehr lahmlegen. und dann passiert etwas unerwartetes: Über dem rasenden Feld liegt ein andauerndes erregtes Geschnatter, keine Ahnung, was die verhandeln, eher naturwissenschaftliche oder philosophische Inhalte, oder über das Karbonzeitalter im Allgemeinen. Ihre Trikots sind gepflastert mit Marken, die nur der Auserwählte kennt. Sie kaufen direkt in der Hölle ein, aber sie riechen nach Himmel, nach allen Waschmitteldüften dieser Welt. Kein Schweiß, Testosteron riecht man nicht, sieht nur die Folgen. Es malt ihnen ein ständiges Grinsen ins Gesicht, das erst vergeht, wenn sie zu hause mit ihrer Familie zusammenkommen.

Was die Motorradfahrer für den Autoverkehr sind, sind die Kampfradler für die gemütlichen Wanderbiker, die radelnden Familien mit Kind und Hund: purer Stress. Also meidet Begegnungen, weicht großräumig aus oder setzt euch in eure Autos und verriegelt sie sorgfältig von innen. 



Mittwoch, 8. Juli 2026

Das Wetter - Die Täter

"Hundstage", "Sauwetter", "Affenhitze". 
Nie sagt wer "Menschenhitze".

Aida Loos im Kurier

Dienstag, 16. Juni 2026

Klaus Eckel und der Kundenservice (Kurier)

"Willkommen beim Kundenservice. Ich bin Lina. Wie kann ich Ihnen helfen?" -

"Ich möchte meinen Flug verschieben."

Lina: "Ich habe Folgendes verstanden: Sie wurden von einem Pflug vertrieben."

Donnerstag, 28. Mai 2026

über KI Kümmerliche Intelligenz und Orwell und das Tagebuch

"Wer die KI verweigert, verliert den Anschluss. Doch wer sie ausschließlich nutzt, verliert die Kontrolle."

Kurier

"Der menschliche Erfindungsgeist wird sicher bald Maschinen hervorbringen, die selbständig Bücher schreiben." (G.Orwell)

"..., die Erfindung des Geschirrspülers jedoch überstieg sein Vorstellungsvermögen: Um der Menschheit die "unkreative, lebensverschwendende Tätigkeit des Abwaschens zu ersparen, träumte er von einem Lieferdienst, der das schmutzige Geschirr abholt und sauberes zustellt ."

"In einer Kolumne empfiehlt er, Tagebuch zu führen und darin seine Meinungen festzuhalten. "Sonst erinnert man sich, wenn wieder mal ein besonders absurder Irrglaube platzt, vielleicht gar nicht mehr daran, dass man den Unsinn selbst auch geglaubt hat" "

Kurier


Montag, 25. Mai 2026

Das Läuten

Nachdem es nicht gelungen war, mithilfe intensiver Rasenhygiene und Dorfreinlichkeit dem ausgelaugten Kärntner Gewissen Erleichterung zu verschaffen, musste man die Kirche um Hilfe bitten. 

Man erfand das Ritual des Dauerläutens an Sonn- und Feiertagen. Den Höhepunkt erreicht man an Pfingsten, an denen die Glocken Gefahr laufen, zu bersten. Ich schleudere diesem Terror "Läute die Glocken" von Stella Sommer entgegen, dann noch "Auch das hier wird vorübergehen", "Teufelsberg", "Schwarze Magie".  Die Box presse ich gegen meine erhitzte Schläfe und fühlte Linderung.

Die Ursache des schlechten Gewissens, das die Kärntner so quält, konnte ich bisher noch nicht heraus finden. Irgendetwas mit Gier und Neid vielleicht? Blasmusikvergiftung? späte hartnäckige Haideritis?

Das ganz könnte auch lediglich eine Spinneritis meinerseits sein, ausgelöst durch das infraschalllastige Summen von Mährobotern, dröhnenden Trimmern. Egal, morgen verlassen wir Villach. Uns hat es total gut gefallen, zumindest der wildere Teil, der überlebt hat. So schöne Drau und Gail, die Ciclovia, die Dachterasse unseres Palais 26, dem es möglicherweise nicht so gut geht. Gier, Größenwahn? Genug jetzt!

Empfehlen möchte ich außerdem den Flohmarkt und das Café Rainer hinter der Kirche und den Markt mit seiner Markthalle und einer großen Vitrine mit allen möglichen Pilzen. Etliche sehr nette und exzellente Wirte, -innen. Wir kommen sicher wieder,  liebe Kärntner. (außer die finden diesen Eintrag).