Freitag, 10. Juli 2026

Oh my Bike

Viele Österreicher glauben, dass sie ein Mountainbike fahren müssen, weil ja ihr Land voller Mountains ist und dann strampeln sie mit Megahelmen und Mini-Rucksäcken und martialisch gefärbten Strampelsuits um den Neusiedlersee oder an der Donau entlang.

Außerdem verstehen Viele unter Breitensport, dass sie am besten alle nebeneinander auf der Strecke unterwegs sind und nur ungern bei Gegenverkehr ausweichen. Studiert man ein wenig Gesichtsausdrücke, spürt man, dass hier auf keinen Fall der Eindruck entstehen soll, dass es sich beim Beiken um ein Vergnügen handelt.

Es handelt sich dabei eher um ältere Semester, während die Jüngeren, hauptsächlich Herren, mittlerweile massenhaft dem Kampfsport unter den Bikern, sich dem Rennrad verschrieben haben und das meine ich durchaus im Sinne eines Pakts mit dem Teufel. Sie strampeln mit Tunnelblick durch alle Arten von Landschaften und schaffen es, diese nur als Hintergrundbild zu ihren Instrumenten wahrzunehmen. Hier geht es nur nur noch um ständige Optimierung von Zahlen, mit denen man in der Szene halbwegs ernst genommen wird. Der Gesichtsausdruck ist hier der Mission entsprechend kaum noch zu beschreiben. Emotionen sind nicht sichtbar, eher etwas zwischen Nirwana und Hirnstillstand. Beim gnadenlosen Überholen suchen sie die Berührung, wollen mit ihrer Präsenz vermitteln, dass sie von einem anderen Stern kommen, wollen bedingungslosen Schrecken und Unterwerfung. In Rudeln werden sie zur Naturgewalt, können sogar Straßenverkehr lahmlegen. Oft sind ihre Trikots gepflastert mit Marken, die nur der Auserwählte kennt. Sie kaufen direkt in der Hölle ein. 

Meidet Begegnungen, weicht großräumig aus oder setzt euch in eure Autos und verriegelt sie sorgfältig von innen.



Mittwoch, 8. Juli 2026

Das Wetter - Die Täter

"Hundstage", "Sauwetter", "Affenhitze". 
Nie sagt wer "Menschenhitze".

Aida Loos im Kurier

Dienstag, 16. Juni 2026

Klaus Eckel und der Kundenservice (Kurier)

"Willkommen beim Kundenservice. Ich bin Lina. Wie kann ich Ihnen helfen?" -

"Ich möchte meinen Flug verschieben."

Lina: "Ich habe Folgendes verstanden: Sie wurden von einem Pflug vertrieben."

Donnerstag, 28. Mai 2026

über KI Kümmerliche Intelligenz und Orwell und das Tagebuch

"Wer die KI verweigert, verliert den Anschluss. Doch wer sie ausschließlich nutzt, verliert die Kontrolle."

Kurier

"Der menschliche Erfindungsgeist wird sicher bald Maschinen hervorbringen, die selbständig Bücher schreiben." (G.Orwell)

"..., die Erfindung des Geschirrspülers jedoch überstieg sein Vorstellungsvermögen: Um der Menschheit die "unkreative, lebensverschwendende Tätigkeit des Abwaschens zu ersparen, träumte er von einem Lieferdienst, der das schmutzige Geschirr abholt und sauberes zustellt ."

"In einer Kolumne empfiehlt er, Tagebuch zu führen und darin seine Meinungen festzuhalten. "Sonst erinnert man sich, wenn wieder mal ein besonders absurder Irrglaube platzt, vielleicht gar nicht mehr daran, dass man den Unsinn selbst auch geglaubt hat" "

Kurier


Montag, 25. Mai 2026

Das Läuten

Nachdem es nicht gelungen war, mithilfe intensiver Rasenhygiene und Dorfreinlichkeit dem ausgelaugten Kärntner Gewissen Erleichterung zu verschaffen, musste man die Kirche um Hilfe bitten. 

Man erfand das Ritual des Dauerläutens an Sonn- und Feiertagen. Den Höhepunkt erreicht man an Pfingsten, an denen die Glocken Gefahr laufen, zu bersten. Ich schleudere diesem Terror "Läute die Glocken" von Stella Sommer entgegen, dann noch "Auch das hier wird vorübergehen", "Teufelsberg", "Schwarze Magie".  Die Box presse ich gegen meine erhitzte Schläfe und fühlte Linderung.

Die Ursache des schlechten Gewissens, das die Kärntner so quält, konnte ich bisher noch nicht heraus finden. Irgendetwas mit Gier und Neid vielleicht? Blasmusikvergiftung? späte hartnäckige Haideritis?

Das ganz könnte auch lediglich eine Spinneritis meinerseits sein, ausgelöst durch das infraschalllastige Summen von Mährobotern, dröhnenden Trimmern. Egal, morgen verlassen wir Villach. Uns hat es total gut gefallen, zumindest der wildere Teil, der überlebt hat. So schöne Drau und Gail, die Ciclovia, die Dachterasse unseres Palais 26, dem es möglicherweise nicht so gut geht. Gier, Größenwahn? Genug jetzt!

Empfehlen möchte ich außerdem den Flohmarkt und das Café Rainer hinter der Kirche und den Markt mit seiner Markthalle und einer großen Vitrine mit allen möglichen Pilzen. Etliche sehr nette und exzellente Wirte, -innen. Wir kommen sicher wieder,  liebe Kärntner. (außer die finden diesen Eintrag).









Samstag, 23. Mai 2026

Kärnten so sauber

Es ist alles so sauber hier, so adrett die Häuschen, der Rasen akkurat, es dröhnen die Trimmer.
die Autos gepflegt, wie auch die Menschen selbst. unheimlich, oder haben sie so schlechte Erfahrungen mit der wilden Natur, Angriffen von Unkräutern, Schlammlawinen, allgegenwärtigem Staub, schmutzigen Nachbarn?

heute am samstag ist markt in villach. ein junger mann aus klagenfurt importiert olivenöl aus griechenland und erklärt mir den unterschied von ernte im oktober und ernte im dezember. die frühe ernte ergibt einen strengeren geschmack, weniger ertrag, ist aber gehaltvoller und natürlich deutlich teurer. er liebt villach, weil da die leute viel freundlicher und entspannter sind als die klagenfurter. denen bekäme das nebelbecken nicht. für den markt in villach braucht es nur eine anmeldung am vortag. in klagenfurt muss man sich bewerben und wird nicht immer zugelassen. ich kaufe einen liter dezember im blechrohr und bedanke mich, sehr sympathisch. 


die verkostung von heidelbeerlikör und nussschnaps (auf nüchtern) beeinträchtigen mich nur mäßig, sodass ich mich noch über die proben am schokostand hermachen kann, eine manufaktur aus der stadt. wirklich ein feiner markt, ich könnte endlos weitermachen, da wäre noch die markthalle, aber ich muss zum frühstück ins hotel. Denn:

Ich genieß des Lebens Pracht
immer gerne ab halb acht


Überall aus allen Ritzen
hier die Kirchturmspitzen blitzen