Viele Österreicher glauben, dass sie ein Mountainbike fahren müssen, weil ja ihr Land voller Mountains ist und dann strampeln sie mit Megahelmen und Mini-Rucksäcken und martialisch gefärbten Strampelsuits um den Neusiedlersee oder an der Donau entlang.
Außerdem verstehen Viele unter Breitensport, dass sie am besten alle nebeneinander auf der Strecke unterwegs sind und nur ungern bei Gegenverkehr ausweichen. Studiert man ein wenig Gesichtsausdrücke, spürt man, dass hier auf keinen Fall der Eindruck entstehen soll, dass es sich beim Beiken um ein Vergnügen handelt. Die Lenkeraufbauten mancher älterer Herren erinnern eher an den Arbeitsplatz von Kampfpiloten, manche hören laut ihr Lieblingsradio, andere zeichnen ihre Touren mit der Helmkamera auf. Die Trikots bewerben Biere und sind knallbunt und neo und aus okkulten Kunstfasern.
Die Jüngeren, hauptsächlich Herren, huldigen mittlerweile massenhaft dem Kampfsport unter den Bikern: dem Rennrad, in allen Farben, Formen und in sündteuren Materialien aus der Raumfahrt. Sie strampeln mit Tunnelblick durch alle Arten von Landschaften und schaffen es, diese nur als Hintergrundbild zu ihren Instrumenten wahrzunehmen. Hier geht es um ständige Optimierung, um in der Szene halbwegs ernst genommen zu werden. Der Gesichtsausdruck ist hier der Mission entsprechend kaum noch zu beschreiben. Emotionen sind nicht sichtbar, eher etwas zwischen Nirwana und Hirnstillstand. Und leider benutzen sie auch "zivile" Radrouten. Beim gnadenlosen Überholen suchen sie die Berührung, wollen mit ihrer Präsenz vermitteln, dass sie von einem anderen Stern kommen, wollen bedingungslosen Schrecken und Unterwerfung. Ihre Maschinen klingen wie die Jägerflotten des Imperators in Star Wars. In Rudeln werden sie zur Naturgewalt, können sogar Straßenverkehr lahmlegen. und dann passiert etwas unerwartetes: Über dem rasenden Feld liegt ein andauerndes erregtes Geschnatter, keine Ahnung, was die verhandeln, eher naturwissenschaftliche oder philosophische Inhalte, oder über das Karbonzeitalter im Allgemeinen. Ihre Trikots sind gepflastert mit Marken, die nur der Auserwählte kennt. Sie kaufen direkt in der Hölle ein, aber sie riechen nach Himmel, nach allen Waschmitteldüften dieser Welt. Kein Schweiß, Testosteron riecht man nicht, sieht nur die Folgen. Es malt ihnen ein ständiges Grinsen ins Gesicht, das erst vergeht, wenn sie zu hause mit ihrer Familie zusammenkommen.
Was die Motorradfahrer für den Autoverkehr sind, sind die Kampfradler für die gemütlichen Wanderbiker, die radelnden Familien mit Kind und Hund: purer Stress. Also meidet Begegnungen, weicht großräumig aus oder setzt euch in eure Autos und verriegelt sie sorgfältig von innen.

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