Montag, 7. April 2025

"Hau die Couch"

Auch so ein Ding mit der Sprache. Hauptsächlich englisch, also amerikanisch. Dabei hofften wir, ein bisschen mehr deutsche Wörter zu lehren. Jack spricht dafür neuerdings von "guys". Wir wissen nicht, woher es kommt, obwohl wir 10 Tage mit ihm ohne Eltern verbracht haben. Er möchte oft "more" oder "whole thing".

"plane" spricht er "mihm", "phone" wird zu "muhm".

Gestern wollte er partout keinen Mittgasschlaf halten, das heißt dann "no beep", gemeint ist "no sleep". Also hole ich ihn nach kurzem Protest aus dem Bett. Er platzt vor Energie, reitet die Couch und prügelt sich mit uns. Nana versucht uns aus der Schusslinie zu nehmen und ruft auf deutsch "Hau die Couch". Er übernimmt den Satz sofort und nimmt sie ordentlich ran. Wir freuen uns über die Fortschritte in Deutsch "Hau die Couch", ebenso wie über "Ei" anstatt "egg".

Aber die Couch, die hat nicht so die Freude über die Prügel, die sie nun bezieht. Nach einer Weile singt sie mit brüchiger Stimme "Let it be" .





Sonntag, 6. April 2025

Freitag, 4. April 2025

Das eine und das andere Glück

Es regnet. Der Plan: Auf in die Mall, nach Natick, etwa eine halbe Stunde von uns. Herumgehen, sich von allem ansprechen lassen, was da aufgeboten wird, Menschen glücklich zu machen, die irre viel arbeiten und  darunter naturgemäß leiden," exhausted", wie man das hier nennt. Uns betrifft das nicht mehr, weil wir ja schon seit Jahren den Ruhestand genießen. Dennoch kennen wir diesen Prozess, weil wir in dieser Welt von Konsumtherapie aufgewachsen sind. Dazu gehörten in unseren Familien Autos, Wohnungseinrichtung, Musik, Fernsehen und natürlich Urlaube. Auch mal gut essen gehen, eine gute Flasche Wein oder Cointreau. Für mich als Kind der 60er Jahre war dieser Prozess bereits durchschaubar, weil ich öfter trotz dieses Wirtschaftswunders Unglück wahrnehmen konnte, auch in meiner eigenen Familie. Trotzdem hat die Konsumtherapie auch bei mir die Wirkung nicht verfehlt und ich durfte in einer depressiven Episode Heilung in einem amerikanischen Supermarkt erfahren, indem ich einfach nur da stand, die Leute beobachtete und mit meinem Einkaufswagen die Warenwelt bereiste. Klick und ich war ganz bei mir.

Nun in der Mall, dürftig besucht, spazieren wir durch ein Einrichtungshaus, dann durch Macy's und müssen nichts kaufen, können aber ein bisschen spielen, wie Kinder in ihrem Kaufladen, ohne Ziel.








Und da ist es plötzlich, so eine Leichtigkeit, Glücksgeühl durch mögliche Belohnung, will haben. Eigentlich haben wir ja alles und deshalb wird es bei mir letztlich eine 24 Dollar-Box von erlesenen Trüffeln und Schokoköstlichkeiten bei Läderach. Wow, ich freue mich auf heute abend, daraus zu naschen. Es darf halt nichts billiges sein, das könnte nach hinten losgehen und eine verzögerte Frustration auslösen, warum man sich das nicht gegönnt hat. Auch Jutta findet einen Shop (Anthropology), französisches Design, sehr verlockende kleine, feine Dinge. Und das gehört unbedingt dazu, wenn man zu zweit ist: Keiner darf leer ausgehen.
Den Abend verbringen wir mit Jack, und da erfahre ich einen wichtigen Unterschied: Wenn du ein Kind in dein Herz lässt, geht dort ein gewaltiges Licht an und toppt alle anderen Glücke. Und das geht entweder über die Augen oder das Knuddeln.




Mittwoch, 2. April 2025

Living in Cambridge, MA

Das Leben ist schön hier, umgeben von all dieser Intelligenz. Okay, nicht so wichtig. Aber viel Grün, Charles River, Fresh Pond und dieses herrliche globale Gewusel am Harvard Square, den man zu Fuß von unserem Home, 2 Brattle Circle in etwa einer halben Stunde erreicht, die herrlichen Läden dort, Buch-, Delikatessen- und Sonstwas-Läden. Nicht dass Zurndorf ein mickriges Pendant bietet, aber das Energielevel ist nicht zu vergleichen. Hier kann man nicht depressiv werden, aber durchaus manisch und durchgeknallt. Da ist so ein gewaltiges Potential an Hoffnungen, Wetten auf ein besseres Leben, was vor allem die Studenten hier antreibt. Zu den Sternen. Wir schauen dabei zu, denn uns reicht der Planet 2 Brattle Circle mit unserem kleinen Alien, denn er kam aus dem All, ganz klar.


Also, der Witz ist...

Also die BOSTONIANER haben so einen eigenen Dialekt, über den sich der Rest des Landes lustig macht, aber sie schaffen es, daraus auch noch einen pfiffigen Werbespott zu kreieren. Also so (s.so.) spricht er, der B, den Chardonnay aus, "Buttah" meint die Marke "Butter".

Noch was zur Kunst, das mir einfiel, nachdem ich einen Beitrag über einen deutschen Schriftsteller gehört habe, Rolf Dieter Brinkmann. Für mich einer, der aus seinem Unglück heraus Kunst erschafft. Er soll ein Wütender gewesen sein. Das Ergebnis muss nicht einmal unglücklich klingen. Er wurde von einer schwarzen Limousine überfahren, da war er gerade mal 35 Jahre alt. Ich finde das schon unglücklich, er hatte ein Kind. Ich glaube ganz dolle, dass man nicht unglücklich sein muss, um Kunst zu machen, egal ob Schreiben, darstellende Kunst, Film oder sonstwas. Aber es ist vielleicht schon nützlich, wenn man einmal eine Weile in seiner Tiefe geschmort hat. Doch sollte dieser Tauchgang unbedingt begrenzt sein. Für mich ist Ringelnatz ein Beispiel für meistens sehr lustige Lyrik, der scheint ein witziger Typ gewesen zu sein, war er es wirklich? Schaut doch selbst nach. Bin ich hier der Alles-Erklärer?

Also, wenn ich schreibe oder male, dann geht es mir dabei ganz gut und danach macht mich das Häufchen durchaus noch ein wenig fröher. Wenn nicht, hilft Sport oder Schokolade oder euer Partner.

"They are conspiring with the insects" Ausschnitt

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Dienstag, 1. April 2025

Boston Common

Um ein Kind zu beruhigen, muss ich erst einmal Ruhe in meiner Sprache suchen, die Sprache oder die Töne finden, mit denen ich eine überzeugende Ruhe ausstrahle. Das wirkt.

Wie das geht? Finde es raus! Gute Übung: Kinderbücher vorlesen, eher leise, ohne übertriebenes Blabla.

Aber nun zum Park. Was für Baumpersönlichkeiten, voller Weisheit und Geschichte, fast schöner im frühen Frühjahr, ohne Blattwerk. Nur dann fuchteln die Bäume wild herum mit ihren nackten, gewaltigen Ästen.





Sehr sparsam, die ersten Blüten, Magnolie und Kirsche



 

Und die Tiere im Park sprechen amerikanisches Englisch (leider hier nicht zu hören)

Sie haben viel zu erzählen, die Tauben, vom Winter

Squirrels fragen eher "Hi, how are you?"






Montag, 31. März 2025

Two Didi Day

Es ist Sonntag.

Es regnet.

Was tun?

Besuch des Children's Museum Boston.

Die Idee hatten ein paar tausend andere Eltern auch, vielleicht auch nur ein paar hundert.

Wir aber haben zwei Didis, das sind Stuart und ich. Mich interessieren eigentlich nur die Dinos.


ob mit Klamotten

oder nackig

Jackson sieht das völlig anders.






Egal, Hauptsache Two Didis






Freitag, 28. März 2025

Badehausregeln, Carson Beach

Im Süden von Boston, auch "Southie" genannt, liegt Carson Beach, am Meer, dessen weite Weite allerdings von zahlreichen Inseln zugestellt ist. 


Erst einmal lernen wir, was in den prächtigen Badehäusern, die den Strand säumen, für wen wichtig ist, denn für Frauen sind da ganz andere Dinge wichtig als für Männer.

Bath House

Women's Bath House

Let Health my Nerves and finer Fibres Brace

Men's Bath House 

Cleanness of Body is due Reference to God

Also die Frauen reinigen sich für ihr zartes Nervenkostüm und die dreckigen Männer schulden es dem Herrgott. Oder ähnlich. Wer weiß das schon?

Ein eisiger Tag mit vielen Wolken. Eine Runde am Strand entlang, dann links rein nach "Southie" wo es alphabetische Straßen gibt. In der L Street gibt es nette Lokale. 

L Street


Das Petula, sehr nett und gute Küche

Paper Jam: Whisky, Aperol, Passion Fruit, Lime

Fish Tacos

https://www.petulasboston.com/

originelle Häuser den Hügel hinauf






Donnerstag, 27. März 2025

Das Arnold Arboretum und seine Schuld

 


Unsere Tour nach JP oder Jamaica Plain, wo wir für 3 Jahre unseren familiären Stützpunkt hatten. Damals vor ca. 8 Jahren war das eine Etage in einem dieser hübschen Holzhäuser mit Erkern und Balkon mit Blick in die Stadt hinein. Das Viertel hatte uns ganz gut gefallen, mit seinen Stores, wie Goodwill und Boomerang für Gebrauchtes, dem Hardwarestore, CVS und kleine Boutiquen. Dann kam noch ein Café Nero dazu: Das Highlight aber ist ohne Zweifel, ein paar Gehminuten entfernt, das Arnold Arboretum, ein wunderschöner Landschaftspark, ein Ableger der Harvard University mit ständigem Geblühe und Gedufte, solange nicht der Winter eine Pause erzwingt.

Wir wollten wissen, wie es in JP jetzt aussieht und eine Runde durch's Arboretum gehen. JP haben wir diesmal etwas verkommen erlebt, viele Bettler, Boomerang hat aufgegeben, Nero ist schwach besucht und hat keine Suppe. Die Lage auf und um einen Hügel herum immer noch recht nett, die Häuser nicht alle gut in Schuss. Vielleicht sind wir mittlerweile von Cambridge verwöhnt mit seinen Begrünungen, den Radspuren, den Villen.

Sequoien

Im Arboretum schaut es wintermäßig aus, die Bäume kahl bis auf die wenigen Immergrünen, der Bach begleitet uns plätschernd, Hund und Kind sind unterwegs und hier und da zeigen sich die ersten Knospen. Eine lange Fliederallee lässt uns sehnsüchtig träumen von einer kommenden Duftorgie. Wir studieren originelle Bezeichnungen, lateinisch und amerikanisch, globale Herkünfte.



Die Bonsaisammlung schläft noch im Depot. Wir sind hellwach und gehen zum Ausgang. Eine Tafel informiert uns darüber, dass der edle Spender dieses Areals sein Geld mit Herstellung von Waren durch Sklavenarbeit gemacht hat. 


Wenigstens wird es nicht verschwiegen. Wir geben uns noch ein wenig JP zum Abschied.