Sonntag, 9. Juni 2013

Haute Couture aus dem Walmart


Ich darf es nur zum Kochen anziehen, oder zum Schlafen.
Weiß nicht, was die haben. Ist doch schön.

Samstag, 8. Juni 2013

Massachusetts, New Hampshire

New Vocabulary (powered by Matthew)

minion - einer, der jeden dreck wegräumen muss

phenom - herausragender Typ

terrific - großartig

to poop - scheißen

handyman - einer, der gut sachen reparieren kann

greasy spoon - schmieriger Löffel, Bezeichnung für ein eher unappetitliches Lokal

going the way of the Dodo - Aussterben , z.B. indem man einfach die Straße quert

here comes the Devil - wenn man vom Teufel spricht

it's all teed up - kommt vom Tee beim Golf

par for the course - kommt vom Golf, meint Ziel genau erreicht 
hedgehog - Igel

cheesy - schmalzig

It's like watching paint dry - urlangweilig

when hell freezes over - praktisch nie
no service - kein netz


no charge - keine Batterie



to be continued

Mittwoch, 1. Mai 2013

Nemesis

Ein Todesstern (Nemesis), der alle 68 Millionen Jahre aus dem Dunkel auftaucht und die Erde verwüstet, ist die Annahme eines Wissenschaftlers mit depressiver Veranlagung. Käme Nemesis, wäre es ihm ein Volksfest.
Ebenso realistisch wäre die Annahme, dass alle 51 Millionen Jahre ein gigantischer Eissalon an uns vorbei rast, der sich mit der Stimme von Christina Aguilera ankündigt.

Tirol

Früher war es mal bergig,
jetzt wird es immer Platter.

Donnerstag, 11. April 2013

An alle Nassrasierer

Ihr könnt euch den Dauerkauf von Klingen sparen.
Ihr könnt Abfall vermeiden, Ressourcen schonen, eurem geplagten Gewissen eine Ruhepause gönnen und der Klingenindustrie eins auswischen.
Für das gesparte Geld könnt ihr euch auch einmal in der Woche vom Barbier scheren lassen.

Wie das geht?

Ganz einfach: Nach jeder Rasur mit der Klinge auf einem Rest Rasierschaum in Nicht-Rasierrichtung!
ein paar mal nachschärfen.

Bitte ausprobieren und die Botschaft weiterverbreiten.

Da geht noch viel mehr.

Montag, 1. April 2013

Krumau, Tschechien

Venedig mit nur einem Kanal, der dickdarmgleich 2 Inseln umschlingt, den schlossigen und den häusrigen. Durch diesen Darm jagen Ströme von Bakterien, als Touristen verkleidet. Mit kleinen Kameras gastroskopieren sie die schmucken Darmwände. Am Ausgang dieser "Darmstadt" werden sie in Reisebusse ausgeschieden. Manchmal staut es sich und eine Kolik baut sich auf, beginnt zu gären und zu schwären bis Druck und Peristaltik den Strom wieder in Bewegung setzen.
Scheißtourismus.



In einer Kneipe spielen am Abend Charly Leitner und Willy Bell Oldies. Alles raucht und lauscht den beiden Gitarristen, deren verstärkte Instrumente über 2 scheppernde Boxen durch das Kellergewölbe gejagt werden. Das Bier wird im tiefgefrorenem Glas serviert, ein Hochgenuß.
Am nächsten Morgen werden wir beim Stadtbummel angesprochen. Es ist Charly Leitner. Seine Urgroßmutter saß mit Adolf Hitler in der Schulklasse. Wenn sein Vater ihn abholte, pfiff er nach ihm, wie nach einem Hund.
Die Folgen kennt man.
Charlys Familie zog dann nach Gmunden. Dort hat ein Verwandter von ihm öfter in der Stammkneipe von  Thomas Bernhard gesessen, aber nie ein Wort mit ihm gewechselt.





Sonntag, 11. November 2012

Vor der OP

Es gibt Regeln. Ich frage den Arzt, der morgens zur Visite kommt, ob ich noch mal Ausgang bekomme.
Eher nicht üblich, meint er. Ich könnte unter ein Auto laufen.
Und ein Restaurantbesuch könnte zu Durchfall oder anderen Unannehmlichkeiten führen.
Ich folge dem guten Rat, was sonst?
Hoffentlich stürzt kein Flugzeug ins AKH.
Und hoffentlich läuft kein Patient Amok.

Donnerstag, 8. November 2012

Der Herzschubs

Hoch oben, auf der 20. Ebene im AKH Wien warte ich auf eine OP.
Dabei hatte ich das Vergnügen, Aladin Basic kennen zu lernen. Er kommt aus Prijedor in Bosnien. Er ist Waise und mittlerweile 17 Jahre alt.
Er hat eine Herztransplantation hinter sich und ist ein sympathischer, witziger, hellwacher Junge.
Stolz zeigt er mir ein Trikot der bosnischen Fußball-Nationalmannschaft mit den Unterschriften aller Spieler.
Dann darf er zum ersten Mal wieder unter die Dusche und kommt fast nicht mehr raus vor Vergnügen.
Die OP wurde ausschließlich aus Spendengeldern finanziert. Anita, Malerin und aus der gleichen Stadt wie Aladin, managt vor Ort alles für ihn. Ich bin zutiefst beeindruckt und habe diese fröhliche Gesellschaft sehr genossen. Heute wurde Aladin nach einem halben Jahr Krankenhaus entlassen und ich wünsche mir, dass das alles eine Chance für ihn ist.
Anita, die Malerin, klärt mich auf, wie nach der OP, bei der ja das Herz ruhiggestellt und der Patient durch die Herz-Lungenmaschine am Leben gehalten wird, das Herz wieder geweckt wurde. Ich bin überrascht. Es wurde mit dem Finger angeschubst.
Was für ein Moment.

Homepage von Anita:
http://www.anitazecic.com/
Aladin:
http://translate.google.com/translate?hl=de&sl=hr&tl=de&u=http%3A%2F%2Fpuharska.net%2Faladin%2Ftransplatacija.html&anno=2

Nach etlichen Fachgesprächen erfahre ich, dass der Schubs nicht immer seinen Auftritt hat.
Das Herz beginnt spontan wieder mit der Pumperei, wenn die Gefäßklemmen weg kommen.
Ist doch auch schön, dass man das allein schafft.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Zur Verurteilung der Erdbebenforscher

Alle Wissenschaftler weltweit werden verklagt wegen Verharmlosung.
Sie wissen es alle und haben nicht gewarnt vor den Risiken von
fast allem.

Wo ihr zu Hause seid

"Bei mir sads alle im Oarsch daham,
im Oarsch dort is eicher Adress
Bei mir sads alle im Oarsch daham,
und I bin dem Oarsch sei Abszess."

Wunderbare Erwiderung auf alle möglichen täglichen Anwürfe.
Allein dafür hat es sich gelohnt, nach Österreich zu ziehen.

http://www.youtube.com/watch?v=eDuvpNkAKiw

Mittwoch, 17. Oktober 2012

B I L D

"for my chauffeurs"

"trust yourself"




"auch nur ein mensch"


"Terror"

Heimlicher Star unter den Sprayern, zwischen Atzgersdorf und Hauptbahnhof. Wie er wohl heißen mag, was er so tut und wohin es ihn wohl noch treibt?

Tags "Bild" "Lid" "ich" (?)

Samstag, 11. August 2012

Immer wenn ich in Saarbrücken bin,

regrediere ich und fühle meine Kindheit.  Doch dies ist das erste Mal, dass ich dabei tatsächlich körperliche Veränderungen bemerke. Ich hoffe, das geht wieder weg!

Sonntag, 15. Juli 2012

FJK

12. bis 14. Juli

Um halb 6 aufgewacht. Eine Schwester begrüßt uns mit „Guten Morgen“ . Wir sind 3. Ich bekam das Bett in der Mitte zwischen 2 Herren, die um einiges älter sind. Wir liegen auf H 31. H steht für Herz und ist eines der noch nicht runderneuerten Gebäude des Kaiser Franz Joseph Krankenhauses.
Es war sicher einmal ein wahres Prachtstück vor guten hundert Jahren großzügig angelegt mit Grünanlagen, einer von etlichen Pavillions.
Die Aufnahme war reibungslos verlaufen. Ich kam direkt von der Arbeit und die Schwester war sauer, weil ich so spät (aber genehmigt und angekündigt) kam. Eines der zahlreichen Kommunikationsprobleme. 

Heute regnet es und ich warte auf meine Herzkatheteruntersuchung. Ich hatte eine Voruntersuchung und erste Visite von 2 Ärzten bereits gestern nach meiner Aufnahme am Abend. 
Die beiden sind sehr jung, bemühen sich aber nach besten Kräften um einen souveränen Auftritt, eine feste investigative Stimme und die in Jahrtausenden gehegte Autorität des Medizinmannes. Das alles soll auch zu einem gediegenen Einkommen in absehbarer Zeit beitragen, incl. flottem Flitzer, Motoryacht und hipper Hütte.
Ich habe immer das Gefühl, dass die gleich schneiden wollen, aufmachen, Kontrolle über meine Organe. Noch nie kam die Frage: Was möchten Sie hier?
Ich möchte nämlich nicht operiert werden. Ich suche nach einer Medizin, die mich in meinem Wunsch unterstützt, mit meiner außergewöhnlichen (ich vermeide bewusst den Begriff „degeneriert“) Aortenklappe das Leben zu genießen.
Dafür verzichte ich gerne auf Höchstleistungen, die eine Zigarette am Abend und gehe auch gerne beruflich alles etwas ruhiger an. Natürlich sollte ich auch Infektionen vermeiden.
Einer der Ärzte sagte, Schwarzenegger hätte ebenfalls eine zusammengewachsene Herzklappe gehabt. Er hätte zuerst eine Schweineklappe einsetzen lassen, danach eine aus Metall. Und der Mann schaut doch prächtig aus. Das macht Mut. Aber ich möchte ja nicht operiert werden.
Ich möchte immer auf dem selben Wissensstand sein wie meine behandelnden oder untersuchenden Ärzte und mir eine Meinung bilden. Das allein ist schon krank.
Ich suche außerdem den Mediziner meines Vertrauens, einen, der zumindest den Anschein erweckt, dass er sich a) für mich und/oder b) für sein Fach, sprich meinen Fall interessiert.
Meine Herzklappe ist nämlich etwas besonderes und verdient Zuwendung und Interesse. Sollte ich den/die Supermediziner/in finden, werde ich mich und meine Herzklappe, falls erforderlich in seine/ihre Hände legen.
Ich soll noch zum Lungenröntgen. Können Sie gehen? Was sonst, denke ich, oder bedeutet der Aufenthalt in einem Spital, dass man die Gehfähigkeit abgibt? Und so werde ich telefonisch angekündigt als "gehender Patient". Nach dem begangenen Röntgen, melde ich mich auf meiner Station ab und benutze meine Beine, um als gehender Patient mit einer ersten Nadel im Arm das nahegelegene Kinozentrum aufzusuchen. Mein Bettnachbar ist neidisch, weil er an der Flasche hängt und nicht mit kann. Bis elf ist die Station offen, dann muss man klingeln. Der Arzt meint, früher hätte man dem Portier ein Trinkgeld gegeben, wenn man spät kam, ich solle schon mal einen Hunderter mitnehmen. Ist ja geschenkt.
Ich wähle Ice Age 4, weil ich es für die Psyche eines Spitalspatienten für aufbauender erachte als eine Tschernobyl-Doku.

Derweil werde ich mitsamt Bett durchs Haus geschoben, in ein Fahrzeug verladen und nach Kathederland verfrachtet. Da sind alle entspannt und ich werde zu jeder Zeit tadellos informiert, was da gerade gestochen, gespritzt, ein- und ausgeführt, rasiert, geschmiert oder geröntgt wird. Auf dem Monitor kann ich ein wenig mitverfolgen, wie so ein Fädchen sich in meiner Brust ringelt.
Ich kann ganz zart den Weg des Drahtes durch den Arm spüren, dann nicht mehr. Erkennen kann ich nichts, werde aber informiert, dass der heftige Strom meiner wuchtigen Klappe die Kamera immer wieder wegpustet, sodass kein Bild zustande kommt.
Deshalb muss nach etlichen Versuchen doch der Weg durch die Leiste gestochen werden, worüber ich mich nicht wirklich freue. Der Arzt meint, die ganzen Drähtchen wären optimiert für diesen Weg, weil es der traditionelle und erste Weg war.

Inzwischen fühlt sich mein Daumen etwas taub an und ich nutze das Vorhandensein einer Harnflasche, um dem kräftigen Drang des Kontrastmittels nachzugeben. Tut das gut. Endlich gelingt das Klappenshooting und ich werde erlöst. Mit Druckverbänden und Pflastern reise ich wieder per Bett zurück in meine Station. Erfrischende Regentropfen begrüßen mich. Oh, wie dankbar bin ich, dass die Hitzewelle ein Ende hat.

Vor dem Mittagessen erlebe ich meine erste Visite. Der Stationsarzt brüllt Anweisungen, Fragen, Antworten, Vorwürfe so laut, dass ich bereits über das Nachbarzimmer Bescheid weiß. Der Voraustrupp ist bereits im Zimmer. Zettelfuchtelnd folgt der Stationsarzt. Wem auch immer teilt er lautstark mit, dass er seit 80 Stunden im Dienst ist. Er wird sich doch nicht bei den Patienten ausheulen? Die Botschaft für uns 3 kommt an: Lasst den Mann bloß in Ruhe, nicht widersprechen, am besten überhaupt nicht sprechen oder vorsichtig bestätigen. Bei meinem Nachbarn geht es um einen Sturz in der Nacht, bei mir eigentlich um nichts, ausser dass ich angeblich nach Bad Homburg will zur Rekonstruktion, also einer der sich selber managt. Okay für ihn, eventuell ein wenig beleidigend für den medizinischen Standort Österreich, aber er lässt es nicht spüren und verspricht mir einen Arztbrief hoffentlich nicht für Bad Homburg, denn Homburg liegt im Saarland und ist Bad-los. Egal, ich bin durch.
Der arme S. kommt dann voll dran. Er ist sauer, weil es ihm um eine Herzklappe geht und er eine Darmspiegelung hatte. Tja, da sind halt noch ein paar Voruntersuchungen nötig, haben wir Probleme damit? 
Herr S. Grummelt.
Sagen Sie was
S. grummelt; basst scho.
Scheinbar nicht.
S. grummelt noch mehrmals ohne was zu sagen, bis er schließlich doch noch zum Ausdruck bringt, dass er das Gefühl hat, dass nix weiter geht.
Sie müssen sich auch gar nicht operieren lassen.
S. findet alles okay. Stationsarzt doch nicht explodiert nach 80-Stunden-Schicht.
Und schon sind alle weg und der Essenstransport fährt vor. Das ist unter den gegebenen Umständen das Highlight des Tages und hinterlässt drei wortlos sich vollstopfende Visitierte.
Richtig glücklich bin ich dann, als mich meine Frau besucht.
Man informiert mich, dass ich morgen nach der Visite aus-checken kann.
So nach und nach werden die Verbände entfernt und enthüllen 2 winzige, schön verheilte Eintrittswunden.
Die Nächte sind hart. Ich liege zwischen Schnarchbär und Rumpelstilzchen und im Nebenzimmer, einem Einzelzimmer residiert das Krokodil. Noch niemand hat es gesehen, jeder hat es gehört. Wer den Drachen Dagobert aus Kasperl kennt, sollte sich die dreifache Lautstärke vorstellen, dazu weniger Verständlichkeit und mehr Gejammer. Das Krokodil hat ausgedehnte Brüllphasen, gegen die wir uns durch sofortiges Verschließen der Flurtür zur Wehr setzen. Viel mehr kann man nicht tun, es sei denn man hat Ohrstöpsel oder Kopfhörer im Gepäck.
Nachdem meine Verbände entfernt und die Eintrittswunden gut verheilt sind, spaziere ich durchs Haus. Im Treppenhaus gibt es eine Fotoausstellung vielleicht von einem hobbyversessenen Primararzt, der sich so von den Niederungen stöhnender Krokodile erholt. Es geht um Delphine und andere Meerestiere. In originellen, qualitativ beachtlichen Fotomontagen schwimmen Fischschwärme durch die Wüste. Das Bild heißt in etwa „Clownfischfamilie auf Urlaub“.
Angekündigt werden neue Fotos im September. Schade, bin schon weg, denke ich, bis mein Blick auf die Jahreszahl fällt: 2007, das Jahr des Delphins.

Mein Liebling im Treppenhaus ist ein betagter Aufzug, dessen Besonderheit ist, dass er immer funktioniert und die Tür automatisch aufschwingt. Ich benötige 3 Fahrten, um endlich zu begreifen, dass ich die Finger von der Tür lassen muss. Dann sind wir dicke Freunde und ich beobachte ergriffen, wie dieses vorsintflutliche Teil gemächlich, aber verlässlich eine innere Falttür öffnet und dann mit Klick und Klack die äußere beige lackierte Tür öffnet. Man muss einfach nur Knöpfchen drücken und abwarten.

Im Keller stehen 2 Getränkeautomaten, einer davon für diverse Kaffeespezialitäten. Leider ist mir alles Kleingeld abhanden gekommen, sodass ich mich verzweifelt nach einer Wechselmöglichkeit umsehe. Da kommt ein kräftig gebauter Mann und bietet mir Hilfe an. Er kann zwar nicht wechseln, dafür spendiert er mir einen Kaffee, ist doch klar. Er ist türkischstämmig, d.h. wie ich migrationshintergründig. Seine Familie ist riesig, dreistellige Zahlen, und wächst rasant. Ich rechne hoch, dass sie innerhalb der nächsten 20 Jahre die Mehrheit in Österreich und Deutschland ausmachen könnte. Er sieht super aus und arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Techniker für das Krankenhaus. Außerdem ist er ein netter Typ.
Gerade erhalte ich den Arztbrief und nun trennt mich nur noch eine Nadel in meiner Vene vom Abflug. Als die Schwester kommt, fragen wir sie nach dem Krokodil im Nebenzimmer. Vorher war mir schon aufgefallen, dass die Schwestern öfter kicherten, wenn sie den Mann behandelten.
Sie meinte, er wäre lustig. Manchmal würde er weinen und singen. Er kommt schon seit Jahren, wegen Krankheit, meint sie kryptisch.  

Freitag, 15. Juni 2012

The Sound of Silence

Das Grundgeräusch, das kosmische Hintergrundrauschen der Stadt hat eine Hauptquelle und das ist der motorisierte Verkehr. Er brüllt rund um die Uhr, in der Nacht um ein paar kaum gefühlte Dezibel weniger als am Tag.
Vermutlich wurde im gesamten Stadtgebiet versehentlich Brüllasphalt verlegt.
In diesen Sound mischen sich überraschenderweise ein paar Singvögel, deren Existenz ich bisher angezweifelt hatte.
Verlässt man die Straßenebene nach unten, verstummt das Automobile und macht dem eisernen Geschrei der Subway Platz. Das rattert, rumpelt, quietscht dicht an der Schmerzgrenze. Wenn der Zug steht, ächzt er noch ein wenig nach und öffnet dann zischend seine Pforten. Es gibt 2 Arten von Zügen, den Express und den Lokalen. An vielen Stationen halten nur die locals. Da gibt es  Mittelspuren für die express trains, durch Säulen abgetrennt. Wenn ein express train durch die Station donnert, beginnt dies im unhörbaren Rumpelbereich, d.h. der Magen ist das Ohr. Das steigert sich recht schnell zu einem orgiastischen Höhepunkt, wenn das eiserne Geschrei, von den Säulen zerhackt, die ganze Station zum Erbeben bringt, und dann wird es wieder ruhig, so ruhig, dass man miteinander sprechen könnte, wäre man nicht mit Lesen, iphone-Gefummel oder Kaffeetrinken beschäftigt.
Wir erhöhen die Anzahl der täglich Transportierten auf 4,5 Millionen+2.
Das Subwaybrüllen dringt übrigens durch die Luftschächte nach draußen, vermählt sich mit dem Autogebrüll und erreicht unsere Fenster im 15. Stockwerk. Einmal dringen auch deutlich die Bässe eines nächtlich cruisenden Hiphop-Fans überlaut in diese Höhen. Entweder wurde er dabei für den Rest seines Lebens taub oder er war es schon.
Ein weiteres Hörerlebnis sind Brücken. Wir genießen den brutalen Heavymetalsound der Williamsburg Bridge direkt unterhalb am Ufer des East River. Auch da ein Mix zwischen Subway und Autos. Das Besondere am Brückensound sind die Fugen. Wer lange übt, könnte am Geräusch erkennen, welcher Reifen da gerade von der Fuge seinen Schlag erhält und antwortet.
Die Spitzen dieser Kakophonie werden zuverlässig behauptet von den nervigsten Sirenen weltweit von Ambulance, Police oder Firefighters, die gerade eine Katze von der Fensterbank im 18. Stockwerk retten.
Die Parks werden wiederum belagert von den Straßen und es ist ein Hochgenuss, zu erleben, wie deren Lärmpegel bei jedem Meter schwindet bis zu einem entfernten Rauschen. Und dann erst hört man wieder die Lebewesen der Stadt, erst die Kinder, dann die Vögel und dann das sanfte Geplätscher plaudernder Flaneure. Hin und wieder sind die Kopfhörer eines Joggers so laut eingestellt, dass man ein wenig mithören kann.
Und da ist er endlich, der Sound of Silence:

Mittwoch, 13. Juni 2012

USA today

Eine wichtige Komponente, wenn man wirklich eintauchen will in die Welt der Amerikaner ist, morgens USA today zu lesen. Heute ging es beispielsweise um "bullies" . Das meint: Schikanieren über Internet. Das führte im aktuellen Fall zum Selbstmord eines Teenagers. Er war sich seiner sexuellen Orientierung nicht sicher und wollte ein Mädchen werden. Die Gewaltbereitschaft der Straße setzt sich im Internet fort und soll auch da bekämpft werden.
Außerdem sollen Frauen nach der Menopause doch nicht soviel Vitamin D mit Kalzium futtern, um die Knochen zu erhalten und Darmkrebs zu verhindern. So gut waren die Studien doch nicht, die das so empfahlen. Also raus mit den Riesenvorratskübeln an Vitamin D aus den Hausapotheken.

Eine weitere Komponente ist das Frühstücksfernsehen. Über uns plärrt ein Flatscreen in die Hotellobby. Weil der Frühstücksraum völlig überlastet ist, sitzen wir unter der Glotze und ich gebe mir ein wenig Vitamin TV (CNN).
Da wollen die Republikaner einen semantischen Angriff auf den Begriff "climate change" starten, indem sie ihn einfach streichen und die Dinge vom großen Zusammenhang abschnippeln, indem sie "permanent flooding" sagen. Dann ist es halt immer wieder mal glühend heiß, es gibt entsetzliche Un wetter, Dauertornados, Riesenhagel, Monsterstürme, Dauerregen, Hitzewelle an Weihnachten aber das Klima ist eigentlich o.k.
Netter Versuch.


Montag, 11. Juni 2012

Halbzeit

Wir leben noch!
Gestern wurde der bisherige Kälterekord (by air conditioning) gebrochen. Den hielt der Lebensmittelladen in der Nähe der Studentenbude mit gefühlten 15 Grad in der Frischabteilung.
Die Subway unterbot das locker mit gefühlten 11 Grad im D-Wagen.

Wir hatten fast den ganzen Tag am Strand von Coney Island gegammelt und uns von Sonne und Meer verwöhnen lassen. Diesmal war es auch wirklich voll. Es war der erste offizielle Badetag des Sommers. Meine größte Sorge ist immer, dass sich jemand mit riesigem Ghettoblaster neben uns einrichtet und dann mit seinen Bässen mein Großhirn weichprügelt. Tatsächlich gab es um uns eine Menge solcher Geräte, die jedoch mit ihrem breit gefächerten Musikangebot ein wenig im Grundpegel untergingen.
Die Polizei ist immer präsent, entweder in 2er Patrouillen oder mit kleinen lustigen Strandbuggies, mit denen sie den Leuten über die Füße fahren. Das ist einerseits gewöhnungsbedürftig, auf der anderen Seite kommen eventuell vorhandene Hoodrats gar nicht erst auf dumme Ideen und so geht es recht friedlich zu, wenn sich alle Völker der Erde an diesem mächtigen Strand mischen.
Jutta haben es die Puerto Ricaner besonders angetan, die wohl irgendein Fest feiern und mit Liveband auf der Promenade abtanzen. Viele tragen Fahnen und alle strotzen vor Lebenslust. Dagegen schaut der weiße Durchschnittsami verdammt blass aus. So, als hätte ihn die Eroberung des Kontinents völlig ausgelaugt.

Ich mache mich mal auf die Sandalen zum Lunapark, um dort mein gefährlichstes Blähbäck-Video zu drehen:


Nach der Bearbeitung (Ausschnitt):



Sonntag, 10. Juni 2012

Rudern

Urlaub fängt an, wenn man alle Vorhaben über Bord schmeißt und sich treiben lässt.
Dieser Zustand ist ideal und ich kann mich nur annähern mit dem Ruderboot. Ich miete eines im Central Parc Boathouse und berudere damit gar nicht mal so ungeschickt, als hätte ich Seefahrer im Stammbaum, den Lake. Der ist wunderbar verwinkelt mit Brücken und kleinen Inseln . An stillen Uferecken gibt es zahlreiche Schildkröten und seltsame Vögel. Die Schildkröten liegen auf dem Felsen und machen Yoga.
Nur meine Tochter wagt es, bei mir einzusteigen, und wir drehen noch eine Runde, während ein zarter Regen herunternieselt und asiatische Paare Verlobungsfotos im Brautkleid schießen.
Am Nachmittag noch eine Pediküre (ich bin der einzige männliche Kunde) und dann das Match Nr.7 der Finals: Boston Celtics gegen Miami Heat.
Ein Schlachtfest und wirklich ein Urlaubstag.
Leider schmerzt der Hintern von der eisernen Ruderbank.
Central Park Boathouse


Samstag, 9. Juni 2012

Occupy ?

Mittags treffen wir uns mit unserer Tochter, die in der Nähe der Wall Street jobbt. Wir gehen dann zusammen essen. Im Zuccotti Parc, gleich gegenüber, begann die Occupybewegung. Davon ist nur noch wenig geblieben. Ein Aktivist sitzt an seinem Stand mit einer Sammeldose und ein paar Plakaten. er trägt einen Button mit der Aufschrift: "Hi, I'm God". Das mag wohl sein, zumindest kann ihm niemand das Gegenteil beweisen. Hin und wieder kommt es zu Diskussionen mit Passanten, doch Gott bleibt gelassen und hat auch die Wallstreet noch nicht mit einem sengenden Bltzschlag von der Erde gefegt.


Wenn  er so weitermacht, wird er noch vom Börsenstier gehandelt und aufgespießt.

Baseball

Wir sehen ein Spiel der New York Yankees gegen Tampa Bay im Stadion der Yankees. Die Anfahrt zieht sich von der Wall Street ganz im Süden bis in die Bronx, natürlich mit der Subway. Als nach langem Dunkel die Sonne mit gleißendem Licht in den Wagen bricht, atmen alle auf, als wäre es ein Ende der Polarnacht. Es hatte geregnet und es erwartet uns wieder einmal ein prächtiger Regenbogen und eine frisch gewaschene Stadt. In mächtigen Strömen pulst die Menge in Richtung des kolossalen Stadions, immer wieder mal im Fluss gestört durch Veteranen, die auf ihren Rollstühlen unterwegs sind, den Sammelbecher in der Hand, die Beine irgendwo im Irak oder in Vietnam.

Es ist eine mächtige Kathedrale. Unsere billigen Plätze sind ganz oben, dafür überdacht. Eine riesige Videowand zeigt Werbung und informiert über das Spiel. Baseball gehört zu den langweiligsten Sportarten der Erde und so werfen die Ameisen unten Bälle, die ein Schläger treffen sollte, damit sie nicht gefangen werden. Die Ameisen wechseln nach 3 Bällen. Das Spiel besteht aus 7 Innings und die Yankees schauen gar nicht gut aus. Die Dimensionen sind so gigantisch, als würde man von einem hohen Berg in eine tiefe Schlucht hinabschauen. Immer wieder pickt sich die Kamera Leute aus dem Publikum, die dann losschreien, wenn sie sich auf der Riesenwand sehen. Von der tierischen Fanstimmung in Fußballstadien ist das meilenweit entfernt. Noch bevor die Yankees mit 7 zu 1 in die Wüste geschickt werden, verlassen wir das Stadion und treten die über einstündige Subway-Odyssee nach Brooklyn in unser Hotel an. Ich lese mein Buch hauptsächlich auf diesen Fahrten und werde bald damit fertig sein. Es ist ein Thriller von Neal Stephenson: Cobweb und ich lese ihn im Original. Das macht fit.