Donnerstag, 16. Juni 2011

Eastman Lake

14. Juni

Heute findet ein Ritual statt, das Stewart ungefähr so beschrieben hat:
Take out the old stuff, burn it down and take a new level!
Das heisst ausmisten und wegschmeissen. Dabei fallen für uns ein paar coole Shorts und Hemden ab,
die hoffentlich noch in den Koffer passen.



Danach ist das Haus nicht mehr wieder zu erkennen. Es dauert doppelt so lang, es zu durchqueren, wie vorher.

15. Juni

Bei der zweiten Umrundung des Eastman Lake beobachten wir, wie eine Familie ein Tretboot benützt und dabei Schwimmwesten trägt. Ich könnte das nachvollziehen bei schwerem Seegang auf offener See.
Der Eastman Lake ist heute zwar vom Wind leicht aufgeraut, bleibt aber dennoch ein kleiner See von vielleicht 2 km Länge. Also wozu Schwimmwesten?
Weil sie zu dritt auf dem Boot sind. Jederzeit könnte ein Familienmitglied absichtlich oder unabsichtlich die anderen Familienmitglieder angreifen und das Boot in Gefahr bringen.
Weil jederzeit Terroristen mit einem Schnellboot angreifen könnten.
Weil Gott jederzeit versehentlich eine Sintflut auslösen könnte.
Weil die Navy gerade ein Manöver auf dem See mit scharfer Munition haben  könnte .
Weil ein zweites Touristenboot mit der Lenkung nicht klarkommt.

Also: Gründe genug.

Ein älterer Herr spricht uns an und fragt, woher wir kommen?
Ich antworte: From Austria. We are living in the boonies.
Er lacht.
Neues Vokabular ist wie neue Schuhe: Am besten gleich anziehen und damit rumrennen.

Learning American today:
Bust ist der Versager, ein Blindgänger, eine Niete

Wir besprechen den Unterschied zwischen Looser und Bust.
Bust hätte eigentlich Chancen, nützt aber keine und bleibt durchschnittlich.
Zuweilen rutscht er noch tiefer.
Von seinem Bruder Looser hat man gar nicht erwartet, dass er was bringt.

















Nach der Wanderung bringen wir massenhaft Plastiksäcke mit Wäsche zu einem Sammelcontainer in West Lebanon. Case closed.
Einkauf im Hanover Coop für das Abendessen. Ich koche eine Lasagne.
Ein Gewitter zieht auf und taucht die Interstate in ein überirdisches Licht.

16. Juni

Mittlerweile planen wir für die nächsten Tage noch einen kleinen Road Trip nach New York. Wir würden noch mehr vom Land und endlich etwas vom Meer sehen.
Erst einmal nach Hampton, einem Ort an dem winzigen Stück Küste, mit dem sich New Hampshire an den Atlantik wagt.
Über Boston geht es nach Plymouth, auf der 195 Interstate die Küste lang nach New London.
Mit der Fähre nach Long Island, um dort einen Tag in den Hamptons zu verbringen.
Zum Flughafen, dort Hotel, Auto abgeben und einen oder 2 Tage für New York. 
Vielleicht Aufbruch am Freitag, d.h. fast eine Woche dafür.

Zum letzten Mal baden wir im Eastman Lake und verabschieden uns anschließend von Hanover.

Ebenso zum letzten Mal fahren wir zum Haus am See über die Strasse, die uns so wirkungsvoll die Fahrt mit einer Achterbahnfahrt ersetzt hat.



Mittwoch, 15. Juni 2011

Wir sind Dirk

Das wäre die einzig würdige Art und Weise, wie sich UnkenSPIEGEL für seine Meckerei entschuldigen könnte. Die Dallas Mavericks haben (bereits vor Tagen) die NBA Finals gewonnen gegen Miami Heat.
Die Siegerparade bezahlt Mark Cuban, der Besitzer des Clubs.
Vorgestern kam endlich per UPS die Mavericks-Kappe für Jutta an und damit würdigt sie den Sieg und den wichtigsten Spieler: Dirk Nowitzky.
Jedem seine Kappe
Und sie hat es vorausgesagt, bzw. so gewollt.

Dienstag, 14. Juni 2011

Eastman Lake

Rückblende 12. Juni: After Commencement oder wie BMW in USA funktioniert.

Nach dem Commencement sind wir platt und treffen uns am See zum Lunch. Füße auf dem Tisch hängen wir ab und sind zum ersten Mal mit Stewart allein. Er nutzt die Gelegenheit, uns mit einer Anekdote aus seinem Leben zu beglücken, die alle andern längst kennen.
Als er 1961 einberufen wurde, ging es um den Vietnamkrieg. Keiner wollte da hin, weil der Krieg so hässlich und unpopulär war. 
Es wird in 2 Kategorien die Tauglichkeit geprüft: In technischen Dingen und eine Art von Intelligenztest.
Beim Intelligenztest, alles Multiple-Choice-Fragen erreicht Stewart den Höchststand, während er beim praktischen Test alles unterbietet, was es bisher gab, sodass er immerhin mit der grössten möglichen Diskrepanz zwischen Hirn und Geschicklichkeit einen neuen Rekord aufstellt.
Als ihn der Arzt wegen seines Rückens sofort für untauglich erklärt, fragt er ihn, warum er denn so geschwindelt habe beim praktischen Test, wo doch sein Rücken ein sicheres Ticket in die Freiheit sei.
Doch das hat er nicht und keinen einzigen Cableboy sollte man mit Reparaturen an Autos oder irgendwelchen Haushaltsgeräten betrauen. Sie werden das Ding garantiert völlig ruinieren, eine Mitgift der bereits ungeschickten aber hochintelligenten Vorfahren.

Und nun muss Stewart feststellen, dass sein Bi Emm Dabbeljuh einen Platten hat.
Nun ist es so, dass ein BMW-Reifen nicht einfach ein Reifen ist, er ist auch nie wirklich platt. Man kann damit weiterfahren, nur nicht so schnell. Was man nicht damit machen kann, ist zur nächsten Tankstelle zu fahren und das Ding flicken zu lassen. Und nun zeigt BMW-USA was sie für ihre erlesenen Kunden tun. Innerhalb einer Stunde ist ein Abschleppwagen da und schleppt den Wagen nach Boston.
Beeindruckt stehen wir am Fenster und schauen in den Regen. Die ganze Party zahlt BMW.

13. Juni: Boston

Wir checken aus dem Farmhouse Inn aus, nicht ohne ausgiebig zu quatschen und ohne ein Abschiedsfoto.
Es gibt ein Video, das auf der Farm im Winter gedreht wurde. Dazu gibt es die sogenannte Bluegrass Musik, die eine rein akustische Countryrichtung darstellt:






Am Nachmittag erreicht uns die Nachricht, dass der BMW repariert ist, d.h. 4 neue Reifen, nichts besonderes nach 4 Jahren.
Matt soll ihn abholen und vorläufig fahren. Dazu brechen wir zu Dritt nach Boston auf. Jutta bleibt alleine im Haus und begegnet, als sie die Mülltonnen holt, die geleert wurden, einer Maus.
Sie flieht, ohne angegeriffen zu werden und hat das Haus endlich für sich ganz allein.
Die Fahrt dauert etwa 2 Stunden und ich lerne ein paar neue Wörter:

In the boonies meint am Arsch der Welt oder in der Pampa, also wo wir her kommen.
Hicks sind diejenigen Bewohner der boonies, denen es an Bildung, gutem Benehmen, Kultur mangelt, also echte Landeier.
We meet at like 4 p.m. 
der Gebrauch von "like" in dieser Kombination erspart, zu sagen: I would say.
Wir treffen uns also sagen wir um 4 und meint studentische Unschärfe bei Zeitangaben.
Geezers sind alte Knacker und können from the boonies sein.

BMW Boston gleicht dem Pentagon, ist edel und riesig, die Werkstatt, ein Luxuskrankenhaus für die BMWehWehchen der Luxuskarossen.
Ein Chauffeur bringt den Wagen und Matt steigt ein.
Wir verbringen den Abend im Haus der Familie in Newton, einer gediegenen Suburb von Boston.
Ich geh laufen. Steward leiht mir Shirt und Shorts, Google Maps zeigt mir die Gegend. Ich zeichne eine Skizze der wichtigsten Straßen, denn ich möchte nicht irgendwo im Dunkeln bei den Bullen fragen, ob sie mich zurückbringen können.
Danach gibt es Essen vom Chinesen, Alle Jungs sitzen vor dem Megascreen und ziehen sich ein Eishockeymatch rein. Ich ziehe die Küche vor und interessante Gespräche mit Stefanie und Franzi über dies und das. Ein aufregendes Thema ist die Religion, insbesondere in der Ausprägung des gefährlich bekehrten Freundes von Matt, der immer mal wieder zu Besuch kommt.
Zutiefst ist sein Kopf von Gott bewohnt und bewirtschaftet. In unserer Gegenwart ist nichts davon zu bemerken. Entweder hält er uns für hoffnungslose Fälle oder irgendein Taburiegel hindert ihn, seine engsten Freunde mit religiösem Zeug zu bekleckern.
Stefanie versteht nicht, wie sich wissenschaftliche Betätigung und religiöse Überzeugung unter einen Hut bringen lassen. Ich meine, für ein Göttchen ist in jedem wissenschaftlichen Setting ein Plätzchen.
Gib mir einen String und ich finde ein göttliches Schwingungsmuster.
Es ist ein toller Abend in einer aufregenden Familie.
Als ich um halb Neun aufwache im Zimmer von Zac, dem Ältesten, lese ich meine Mails.
Jutta hat in der Nacht einen Horrorfilm geschaut, indem Charlize Theron in einem Appartement allein ist und verrückt wird, vielleicht nicht die beste Wahl.
Ich frühstücke mit dem Haushund und wir brechen um halb Elf auf nach Norden zu Jutta ins Haus, um das Schlimmste zu verhindern.

Sonntag, 12. Juni 2011

Commencement

Gestern begann das Programm um 10.00 Uhr in einer riesigen Mehrzwecksporthalle mit einer Feier für die Klasse von 2011 und einigen Ehrungen für außergewöhnliche Leistungen. Es ist heiß drinnen, kübelt draußen und zu Beginn rasen 2 Feuerwehrtrucks über die Straße vor der Halle. Globale Elternschaften drängen sich auf provisorischen Tribünen, die Klasse (so um die 1000 Studenten) sitzen am Boden.
Es folgen Reden des Klassenvertreters, der Professoren, des Präsidenten, die Ehrungen.
Franzi wird wegen ihrer Note 3.99 geehrt (salutorian). 2 haben die 4.0 erreicht (valedictorian).
Als ich vom Fotografieren (katastrophales Ergebnis) zurückkomme, fragt mich ein Mann, ob das meine Tochter sei. Er gratuliert mir und fragt, welches Miststück ihr ein A-minus verpasst hat. So läuft das hier, alle freuen sich über die Leistungen aller. Irgendwie beeindruckend.

Anschließend begehen wir den Fehler, einigen Kommilitonen zu gratulieren, was zu einer fühlbaren Verstimmung führt. Gratuliert wird erst morgen. Heute steht ausschließlich die eigene Tochter zur Gratulation zur Verfügung, ist das klar?
Wir lernen im Russenhaus 2 Professorinnen kennen, die Franzi nicht mehr hergeben wollen. Auch wir wollten das nicht.
Links: Emilie







Es regnet immer noch.
In Norwich, ein paar Kilometer von Hanover kaufen wir Rotwein von Hillinger und eine Beerenauslese aus Illmitz.
Bei Wal Mart Blumen für unsere Gastgeberin.
Um 16.00 Uhr ist Dinner im Haus am See, eigentlich als Gartenparty konzipiert. Eine Cateringfirma sorgt für das leibliche Wohl. Bitte keine Begegnung mehr mit Lobstern.
Dafür mit Debbie, Laura, Andy und Scott. Emilie ist mit ihrer Familie da, Eltern, Großeltern. Vor 3 Jahren hat sie uns in Zurndorf besucht. Alle wirken selbstbewusster und entspannt.
Nach dem Dinner gehen die meisten und wie auf ein geheimes Zeichen strecken die Verbliebenen ihre Beine aus auf die Tische und zeigen Socken.

Nicht zu spät brechen wir nach Woodstock auf und verfahren uns heillos und hirnlos im Dschungel von Interstate 89 und 91 und kommen erst nach mehr als einer Stunde im Farmland Inn an.

12. Day of Commencement

Die spannende Frage lautet: Wird es schütten?
Dafür sind wir mit Regenponchos gerüstet, lustig wäre es auf keinen Fall, 4 Stunden auf der feuchten Wiese auszuhalten. Natürlich wird es mit der Zeit knapp, weil die Anfahrt und der Andrang gewaltig sein werden. Am Ortsrand gibt es ein Commencement Parking, das den Stress eines Staus nimmt, dafür aber einen viertelstündigen Fussweg beschert in Schuhen, die repräsentativ sein sollen, nicht zum Wandern. Der Himmel grau verhangen, hält dich. Als würde in einer dünnen Plastikhaut ein Ozean über uns schweben. Die Ehrung von Franzi beschert uns exclusive Sitzplätze kurz hinter den Reihen der class of 2011, also kein Gerangel um Plätze. Scott und Stefanie sind unsere Nachbarn und Guides bei der Zeremonie. Der Pomp haut rein, Gänsehaut, Hogwarts. Ich warte auf Dumbledore. Er kommt, gefolgt von seinen Dekanen, Professoren in prächtigen Roben.
Die Farben sind ein Code für die School. Rot ist Harvard.

George Bush sen. und Gattin sitzen auf dem Podium neben anderen Ehrengästen und Präsidenten von Dartmouth Jim Yong Kim alias Stinky Pete, wie wir nachher in der Rede von Conan O'Brian erfahren werden. Alle sdreht sich natürlich um die Graduations und hunderte Elternpaare warten gespannt darauf, den Namen ihres Nachwuchses zu sehen und versagen dann reihenweise, davon ein Foto zu schießen.
Auch die beiden Valedictorians dürfen reden. Das sind die mit dem Notenschnitt von 4.0, eine gewaltige Ehre. Zur Vorbereitung haben sie etwa 2 Tage Zeit, es sei denn, sie hätten von Anfang an darauf hingearbeitet und die Rede innerhalb der gesamten Studienzeit verfasst. Franzi und Matt finden die beiden ziemlich anstrengend.
Alle fiebrn der Rede von Conan entgegen, ein gewaltiger Star in Amerika, vielleicht vergleichbar mit Harald Schmidt.
Es ist verdammt schwer, den Reden zu folgen. Daran kann auch die Untertitelung auf englisch wenig ändern, weil sie voller Fehler ist. Dafür gibt es alles zum Nachlesen, bitte mal ausprobieren:
Die Rede ist rotzfrech und ein toller Kontrastpunkt und der Kerl versteht sein Handwerk. Das Publikum lacht Tränen. Bei der Ehrung Bushs halten einige Studenten Protestplakate hoch, was mit einem kollektiven Aufstehen und demonstrativen Applaus für den Ex-Präsidenten beantwortet wird.

Dann endlich die Graduations. Abwechselnd lesen 2 Studenten die Namen der Nächsten, sodass ein flotter Takt entsteht. Dennoch wird es fast eine Stunde. Durch das blöde Knipsen verpasse ich die simple Wahrnehmung meiner Tochter und das Foto, naja. Wo ist sie?
Dann endlich:

Immer wieder werden Hüte entwendet





Und nun die Vorstellung, das ganze würde in Deutschland oder Europa stattfinden. Schwer vorstellbar. Denn da leben Wissenschaft und Forschung und deren Institutionen versteckt vor der Gesellschaft. Die Studenten dürfen zwar ihre Städte prägen, Studentenkneipen geben  so mancher Altstadt den besonderen Reiz. Aber die Leistungen werden unter die Tische geschoben, auf denen der bummelstudent verkauft wird mit seinem Lotterleben. Auch hier wird gesoffen und Marihuana und Haschisch geraucht. Auch hier wird die Sau rausgelassen, aber am Ende feiern Alle eine große Party und zeigen Allen, die es geschafft haben, dass sie großartig sind.
Es hat nicht geregnet, allerdings auch wieder mal kein Elch, ausser Conan.
Ich bin froh, dabei gewesen zu sein, bei dieser Initiation und gratuliere Vielen, die ich mittlerweile kenne und die uns z.T. in Zurndorf besucht und mit uns Zeit verbracht haben: Emilie,aus Princeton, Long aus Shanghai, Robin aus Mexiko mit Vorfahren aus dem Schwarzwald und Val vom Schwarzen Meer, Bulgarien.
Und ich freue mich mit ihnen.

Sha Long

http://now.dartmouth.edu/2011/06/class-of-2011-honors-two-valedictorians-three-salutatorians/
http://articles.boston.com/2011-06-12/news/29650693_1_valedictorians-dartmouth-college-salutatorians
unser eigenes Filmchen:


Samstag, 11. Juni 2011

Farmhouse Inn, Woodstock, Vermont

Die Farm hat früher den Robinsons gehört. Die haben ordentlich geschuftet und ihre Scheune und ihren Silo vollgestopft mit den Erträgen ihrer riesigen Felder. Tory zeigt mir die mächtige Scheune, die in den Hügel gebaut wurde, sodass man nach hinten aus dem obersten Stockwerk auf eine viele Meter höher gelegene Wiese tritt, von der man ins Tal schaut.
In der Scheune wohnen ein nettes Pferdchen, zahlreiche Hühner, Katzen, keine Kühe mehr, dafür der hellgelbe Ford Mustang, mit dem Tory hin und wieder ausreitet. Er ist so etwa 10 Jahre jünger als ich und das sieht man ihm an. Ich darf ihn aus der Scheune fahren. Der zarte Zündschlüssel lässt das Untier zum Leben erwachen. Mit etwas Gas röhrt die Maschine anfangs etwas unwillig aber wunderschön. Voller Ehrfurcht lausche ich dem Sound amerikanischer Autobaukunst, als begrenzte Rohstoffe und die Umwelt noch kein Thema waren. Die Lust der Verschwendung in dieser verführerischen animalischen Ausführung.

Um die Scheune nicht platt zu machen, überlasse ich es Tory, rückwärts einzuparken.
Eine Besonderheit der Scheune ist der eingebaute Holzsilo. Meistens stehen die Silos neben der Scheune. In den langen schneereichen Wintern rutschen dann die Schneemassen von den riesigen Dachflächen herunter und verschütten die Zugänge zu den Silos.
Die Dimensionen im Inneren sind beeindruckend und ich sehe die Robinsons ihren Kuhstall ausmisten und aus dem Fenster in den Hof schauen. Sie haben keine Zeit, sich vorzustellen, was mal aus ihrer Scheune wird. Sie leben ihr hartes Farmerleben.
Der Boden im ehemaligen Kuhstall ist von Urin zerfressen und die tragende Struktur braucht Unterstützung durch eingeschobene Balken. Das machen Tory und Barry selbst, würden sich aber über helfende Hände jederzeit freuen. Wer fühlt sich angesprochen? Es winkt ein Urlaub am Bauernhof.
Eine weitere kleine Scheune dient Veranstaltungen.
Wir plaudern über den Unterschied zwischen Besitzen und Benutzen. "Sharing" ist der Schlüssel. Dieses Ensemble ist so prächtig, dass es einen Einzelnen überfordert.
Nur Dagobert Duck fühlt sich wohl beim einsamen Bad in seinem Geldspeicher. Hier fällt mir auch der Eastman Lake ein in seiner Schönheit und wie schade es ist, dass nicht mehr davon etwas haben.
Barry hat mir eine Karte ausgedruckt, die uns helfen soll, die Gegend ein wenig zu erkunden. Tory trägt in die Karte die Stellen ein, wo der üble Sheriff von Bridgewater lauern könnte. Jedoch, meint sie einschränkend, wenn er dich kriegen will, kriegt er dich.
Inzwischen treffen neue Gäste ein. Zum Wochenende ist alles ausgebucht.
Beim Frühstück lernen wir ein Paar aus Kalifornien kennen, die ebenfalls wegen der Graduation hier sind. Sie quetschen uns Exoten aus, bis ich den Spiess umdrehe. Schließlich sind sie die Exoten.
Wir kommen doch aus Österreich.
Man kann überall durch die Hügel mit dem Auto fahren, wenn auch z.T. auf Schotterpisten, weil überall meist schmucke Häuschen im Wald versteckt sind. Dick gegen Insekten aller stechenden Art eingesprüht verlassen wir unser Auto und wandern den Weg weiter.
Ein Elektromobil steht in einer gepflegten Gartenanlage. Aus der Blumenpracht ragt das Gesäß der Besitzerin. Kein Elch, aber irgendwas Dachsartiges wackelt ins Gebüsch. Hin und wieder rast ein Pickup an uns vorbei und wir werden vorsorglich gewarnt, nichts falsches zu tun.
Und dabei hatte ich mich so auf das Fallen stellen gefreut.
Mein Wortschatz im Amerikanischen wächst:
Bugbites sind Gelsenstiche und wenn es juckt, dann kratzt man: If it is itching, I am scratching.
Die Tour endet wie so oft in einem Privatbesitz, der Overlook Farm. Tatsächlich gibt es ein zumindest partielles Panorama, weit in dieses unendliche Hügelland der Appalachen hinein, so grün, so wild, von menschlicher Nutzung kaum was zu sehen.
Aus tiefer Verbundenheit zum Farmland Inn, entsteht eine bäuerliche Version von "Chicken Fried", vielleicht die endgültige:
http://www.youtube.com/watch?v=VTkl_1bqB4M
Tory und Barry sind zutiefst bewegt.

Endlich ist es soweit. Wir treffen uns um 18.00 Uhr mit unseren Anwälten. Die Eltern von Matt sind solche und Treffpunkt ist das Simon Pears, ein erlesenes Restaurant, das ein unternehmerischer Geist auf eine Glasbläserei gebaut hat. Die Idee: Gut essen, dann Shoppen im Giftshop, natürlich Glas. Mittlerweile hat Simon Filialen.
Nach einem Toast unserer Gastgeber stoßen wir an und das Dinner beginnt.
Etwas überfordert folge ich den eloquenten Gastgebern mitsamt ihren 3 prächtigen Söhnen. Unsere Tochter erstrahlt wie eine Prinzessin und zarte Pflänzchen gegenseitigen Kennenlernens keimen.
Die Klimaanlage rauscht beängstigend und das bei riesigen geöffneten Fensterflächen.
Ein Irrtum, wie ich erst nach einiger Zeit feststellen muss: Das Restaurant sitzt direkt über den tosenden Elementen eines Wasserfalles. Ich werde gebeten, den Rotwein auszuwählen und bitte um "Sinnfändel",
Stewart und Stefanie

Cole, Zac und Matt

Franzinator

weisse Hosen

Die Klimaanlage und ich
meine damit Zinfandel und werde von Stefanie zur Wahl beglückwünscht. Stewart ist voller Energie und beherrscht die Kunst des Entertainments und der Kommunikation beeindruckend. Franzi spricht er ausschließlich als "Franzinator" an und die hat offensichtlich nichts dagegen einzuwenden. Alle sehen wir blendend aus und der Wasserfall bestätigt das.
Um 21.00 verabschieden wir uns vorläufig.

Freitag, 10. Juni 2011

Diner und Co

Heute werden wir die Eltern von Matt kennenlernen, die 3 Jungs haben. Da wird ein Mädchen gerne gesehen. Wir werden uns in einem Restaurant in Woodstock treffen und gemeinsam essen. Ich bin schon gespannt.
Franzi und Matt haben für uns eine kulinarische Tour zusammengestellt, die wir gestern abend mit dem nicht zu vermeidenden Lobsteressen im Weathervane Seafoods beendeten. Lobster- oder Hummeressen ist eine einzige große Sauerei. Man isst von den Viechern nur die Scheren, Beine und das Prachtstück von Schwanz. Den alleine herauszupulen ist die Hölle. Freundlicherweise übernimmt dieses Gereiße, Geknacke, Drehen und Zerfetzen Matt. Dabei muss man aufpassen, dass man den grünen Magen rechtzeitig entnimmt, der einem den Spaß ordentlich verderben kann.
Aber erst einmal heisst es warten, denn der Andrang ist groß. Heute kostet der Twin Lobster nur 19,90 $ und das ist ein cooler Preis, den man sonst locker für einen zahlt.  Die Leute sitzen wie in einem Wartezimmer im Eingangsbereich und werden aufgerufen, wenn etwas frei wird.
Vom Dach rinnen mittlerweile Sturzbäche eines Unwetters, das auf Lebanon niedergeht.
Als Werkzeug mitgeliefert werden Plastikschürzen, Panzerknacker (ähnlich einem Nussknacker) und eine kleine Plastikgabel, um das köstliche Fleisch aus dem geknackten Panzer zu ziehen.


Die Scheren schaffe ich ganz gut und finde sie besser als den Schwanz, der ein wenig durchwachsen ist.

Mittags waren wir in einem schrulligen Diner mit Wachstuchdecken und einer hochschwangeren Kellnerin mit hochrotem Gesicht. Mit ihrem gewaltigen Bauch trifft sie einmal Matt, der leicht angeschlagen wirkt. Die Speisen sind weniger gut als im ersten Diner aber das Ambiente ist einmalig. Eine Fotowand zeigt die verhärmten Gesichter der Geschäftsgründer, die Klimaanlage rasselt vor sich hin, von Klebeband in der Mauer gehalten. Die Kids frühstücken, während wir die Hamburger Steaks verkosten in den Varianten mit oder ohne Paprika.
Das ist Shyrl's Diner
Hamburger Steak gut, Kartoffelpüree naja, Soße aus einer furchtbaren Galaxie
Das ist 4 Aces


Liver and Onion, großartig!

Farmhouse Inn, Woodstock, Vermont

Wir haben hier vor einem halben Jahr für 4 Tage gebucht. Das Farmhouse Inn liegt hinter Woodstock
lockere 20 Meilen von Hanover Richtung Westen. Bundesstraße 4 von New Hampshire nach Vermont.
Einsam steht das schöne weiße Farmhaus an der Straße und ich entwickle Gruselszenarien. Alte Frau mit hinterhältigem Blick öffnet knarrende Tür. Überall Spinnweben, ein verrückter Alter bastelt an einem Pick Up herum und schaut feindselig. Tür des Zimmers lässt sich nicht verriegeln. Nachts geht die Tür auf. Die 2 Irren schlappen uns in die Scheune und foltern uns.



Alles kommt anders. Die freundliche Tory öffnet uns die Tür des wunderschön restaurierten Hauses. Ihr Mann Barry stellt sich vor und Logan, den riesigen alten Haushund, der ziemlich stinkt, mir aber freundlich die Hose vollsabbert. Wir ziehen die Schuhe aus und leben hinfort im Barfußland.
Das Zimmerchen heißt Maple und seine Klimaanlage ackert tapfer die schwüle Hitze hinaus.
Ich falle in einen tiefen Schlaf, während draußen ein heftiges Gewitter tobt.
Erholt aber mit schwerem Kopf wache ich auf, um ein bisschen mit den Gastgebern zu plaudern.
Tory ist Kalifornierin und sie betreiben die Farm seit 4 Jahren.
Manchmal hat sie Heimweh nach dem Ozean und vermisst das Reisen. Barry arbeitet als Geo-Ingenieur und pendelt alle 6 Wochen nach Kalifornien und wieder zurück.
Über Woodstock erfahre ich, dass dessen Einwohner eine bunte Mischung von Einheimischen und Zugezogenen sind, während Bridgewater das genaue Gegenteil ist. Jeder Fremde wird mißtrauisch beäugt und im Regen stehen gelassen. Besonders fies soll der Sheriff sein, wenn man mit fremdem Autokennzeichen nur ein paar Meilen zu schnell unterwegs ist.
Also Finger weg von Bridgewater und danke für die Warnung.
Einen Strafzettel habe ich bereits in Hanover ausgefasst. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir herausfanden, warum ich 30,- $ zahlen soll: Ich parkte gegen die Fahrtrichtung am Straßenrand. Das ist hier verboten.