Montag, 26. Mai 2014

Memorial Day




Große Teile der Landschaft wirken völlig unberührt. Die menschliche Nutzung ist gut versteckt, der Baumbestand ist gemischt und wirkt urtümlich. Nur bei entsprechendem Wind hört man Motorgeräusche. Und wie schon gesagt: Der Wald rückt unmerklich vor.

Alle Programme und Zeitpläne verenden gerade im Treibsand der Anspruchslosigkeit.
In diesem Zustand sind Vorausplanungen über mehr als eine Stunde völlig sinnlos. 
Jutta und ich springen auf den Rhythmus von Franzi und Matt auf. Da muss man gar nicht mehr nachdenken. Bisschen essen:
Molly's Diner






Bisschen einkaufen:
Hanover



Bisschen entspannen:
Hot Tub

Dazwischen spazieren gehen am See, lesen, und mit meinem Minigleitflugzeug spielen.
Kochen und wieder bisschen essen.


Und wie fast jeden Abend NBA Finals.



Der Film zum Tag:


Lost Dog





New Hampshire



Das Nomadentum hat ein Ende gefunden, nach 2 Stunden Fahrt nach Norden, wo der Wald die Hauptrolle spielt, erreichen wir Lake Eastman in New Hampshire. Live free or die!
Ich schaue aus dem Auto und sehe nichts als Wälder.
600 Jahre Kultivierung durch die eingedrungenen Europäer genügten nicht, den mächtigen Kontinent zu durchforsten. Eher schaut es so aus, als würden die Wälder entlang der Autobahn nur darauf warten, sich diese Schneisen zurückzuerobern. Da sind weder Wege noch Wanderer zu sehen. Und 12.000 Jahre Besiedlung durch die Native Americans haben überhaupt nichts hinterlassen. Ihre Pfade und ihre temporäre Besiedlung waren ein Teil dieser Natur, kompostierbar.
Die wenigen Pfade, wie der Appalachian Trail, führen zu keinen Sehenswürdigkeiten, durch keine Ortschaften, bieten selten spektakuläre Aussichten und so war es nicht verwunderlich, dass die unermüdliche Erlebnisindustrie ihre Chance gekommen sah und diese Landmarks in Auftrag gab. Bühnenbildner waren gefordert und auch digitale Technik sollte durch Projektionen und Lichteffekte den Trail in ein Wander-Disneyland verwandeln.
Stephen Spielberg und George Lucas inszenierten den größten Teil, z.T. mit Requisiten aus ihren Sternenstädten.
Als auch die Fastfood-Ketten begannen, sich den Wald aufzuteilen, zeigten sich die ersten größeren  Gruppen von Waldkonsumenten. Landesweite Tourismuswerbung mit bekannten Gesichtern tat das ihre.
Als dann die ersten Wanderer einfach verschwanden, führte man das auf deren Unerfahrenheit oder tragische Umstände zurück. Bis die ersten der Verschollenen wieder auftauchten. Was genau mit ihnen geschehen war, wusste niemand. Anfangs verhielten sie sich auch nur ein wenig merkwürdig.
Wirkliches Entsetzen löste dann die Veränderung der Haut aus. Sie verholzte, und den Betroffenen fiel es immer schwerer, sich zu bewegen. Sie begannen nach anfänglichem Schweigen auch wieder zu sprechen, allerdings in einer Sprache, die niemand verstand. Forscher aus aller Welt reisten an und kamen zu keinem Ergebnis. Der Präsident der Vereinigten Staaten rief zu Besonnenheit auf und empfahl, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben.
Das alles war mir bewusst, als ich mich entschied, diesen Wald vorerst nicht zu betreten.
Und deshalb wundert es mich sehr, dass ich das da oben überhaupt geschrieben habe.




Derzeitige Position: 43Grad32Min, 15.40 Nord
72Grad06Min, 51.40 West
Höhe: 347 ü.M.

Jutta, Werner, Franzi und Matthew

Samstag, 24. Mai 2014

It's all over now

Nach 6 ständiger Busfahrt sind wir zurück von New York in West Newton.
Am schnellsten war Stefanie mit der Bahn, danach wir mit GoBus, dann Franzi, Nick und Matt mit dem U Haul. Dann Stewart mit dem Flieger. 3 Flüge nach Boston wurden gecancelt wegen Überlastung und Unwettern, sodass er schließlich ein Taxi nahm, Reisezeit etwa 10 Stunden.
Wir laden den U Haul aus und damit ist der Umzug beendet. New York ist Geschichte.


Am Morgen kommt der Landscape Service mit 3 Trucks und zwei Ladungen Gartenerde. Die wird von ca. 5 Leuten verteilt. Hier wird nicht gekleckert.
Jutta kocht auf großen Wunsch Gulasch: Gegessen wird heute Abend vorm Fernseher während der NBA. Geht's amerikanischer?


Ich lege mich an den Rand der riesigen grünen Wiese in die Sonne und sammle Licht und Wärme. Das scheint mir für den Moment genug Action. Nichts tun ist ja auch ein Tun, eine aktive Entscheidung keine zielgerichtete Tätigkeit auszuführen. Das fällt am Anfang gar nicht so leicht, weil man meist so einen Rhythmus pflegt, in dem man immer wieder irgendwas gschaftelt. Dann will ich immer aufspringen und beispielsweise im Blog posten, blöde Idee. Dann beginnt so allmählich die Zeit zu zerlaufen wie Butter in der Pfanne, das Gehirn geht in Leerlauf, die Sinne werden empfindlich für langsame Dinge wie die Bewegung der Wolken, der Sonne und der Baumschatten. Als diese beginnen meine Füße zu kitzeln, wird es frisch und ich breche das Nichtstun völlig entspannt ab.
Keine Ahnung, wie lange ich da gelegen habe. Das Zeitgefühl köchelt ja mit dem Gulasch in der Pfanne.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Prinzipiell

Das Prinzip New York ist schnell erklärt: Man lässt alles rein, was will,  und schaut was passiert. Dann versucht man durch wiederholte Eingriffe das Schlimmste zu verhindern.
Das ergibt einen Zyklus, der von Chaos und Katastrophe über Konsolidierung zur Neuordnung führt.
Im Moment scheint keine dramatische Entwicklung in Sicht und Godzilla hat sich diesmal San Francisco für die finale Schlacht ausgesucht. Aber wir haben ja noch 2 Tage.

Ich hatte einen Deal mit Matthew in der Hoffnung, er würde seinen Part nie schaffen. Wie so viele Amerikanische Männer liebt auch er süße alkoholfreie Drinks, die eigentlich für Kleinkinder gedacht sind. Deshalb der Deal: Wenn er eineinhalb Flaschen Bier trinkt, muss ich das Double Down Sandwich von KFC essen. Gestern Abend, in der Hotelbar hat er seinen Teil völlig unspektakulär erfüllt. Mittlerweile vermute ich, dass er damit kein größeres Problem hatte und mich ein wenig getäuscht hat.
Das Problem habe jetzt ich, denn das Double Down Sandwich ist eine monströse kulinarische Missgeburt von KFC um noch mehr Chicken zu verheizen. Dabei wird der übliche obere und untere Brotdeckel des Sandwich ersetzt durch eine Art Chickenschnitzel. Dazwischen klebt eine Fülle aus schmierigem Käse und fettem Bacon. Das Teil ist lebensbedrohlich und könnte ganze Armeen totfetten.

Da muss ich bald durch.



Mittwoch, 21. Mai 2014

Today's Commencement

Heute geht gar nichts mehr in der Stadt. Columbia zelebriert
ihre riesige Abschlussfeier auf dem Campus mit tausenden Studenten, Professoren und den Familien. Wir schauen uns das Spektakel alleine an. Es lohnt sich: Pomp and Circumstances.
Die Rede des Columbia Präsidenten verblüfft, weil er sich mutig für die Freiheit der Information ins Zeug legt und immer wieder Edward Snowden sagt. Plötzlich tauchen Kampfjets auf und erzwingen mit Warnschüssen den Abbruch der Rede.
Blödsinn, die Studenten applaudieren, die Sonne lacht und die Helis sind nur wegen der Touristen am Himmel.



Morgen gibt es für die Law School ein eigenes Commencement. Da sind Franzi und Matt dran,
und wir sitzen mit Stephanie und Stewart, die selber  Columbia Alumnis sind .





Am Abend Broadway. Wir sehen Cabaret, Regie: Sam Mendes mit u.a. Michelle Williams.
Wir sind todschick. Als wir unser Zimmer verlassen, fragt uns das Zimmermädchen, ob wir auf eine Bootsfahrt gehen. Gemein.

Commencement


Zurück vom Frühstücksbuffet kann der Tag beginnen. Mittlerweile wissen wir, welche Nahrungsmittel edible (essbar) sind, welche furchtbar schmecken, und welche einen in die Ambulanz bringen.
Auf meiner Frührunde durch die Bronx entdecke, besuche und überlebe ich diesmal das Bronx Outlet.


Auf dem Rückweg kaufe ich geschnittene Mangostreifen und vergesse das Wechselgeld (7 Dollar).
Die Verkäuferin rennt mir nach und gibt es mir. Beim Wasserkaufen gebe ich 5 Dollar zu viel. Der düstere Typ ruft mir nach und gibt mir die Scheine zurück. Die Bronx klaut nur das große Geld, ansonsten zeigt sie einen beachtlichen Stolz.

Die Stadt füllt sich allmählich mit bunten Roben. Jede Uni hat ihre eigene prächtige Farbe, Familien ziehen mit ihrem graduierten Spross durch die Straßen, während wir den Umzug nach New Hampshire vorbereiten, d.h. alle packen und ich fotografiere.

NYU
Columbia
Die Studenten haben den Ruf, nicht ganz realitätstauglich zu sein. Deshalb im Bookstore die Warnung, dass die Nutzung einer Treppe volle Aufmerksamkeit verdient. Die Nutzung der Rolltreppe scheint man ihnen zuzutrauen. In der Zeitung las ich passend dazu, dass amerikanische Studenten fordern, dass vor gewissen Werken der Weltliteratur ebenfalls Warnhinweise stehen sollten, um nicht Traumata auszulösen. Achtung Shakespeare: Nach der Lektüre unbedingt mit einem Psychologen Kontakt aufnehmen.

Lunch im Park

Wir treffen uns mit Long, den wir noch von Dartmouth her kennen. Er forscht ein paar Jahre an der NYU über das Gehirn. Im Keller des Institutsgebäudes betreut er die Laboraffen. Einer von ihnen heißt Algebra. Wahnsinn.

Beim Dinner (Italiener) am Broadway lerne ich von Matt wieder ein neues Wort: "lame"
Wie so oft im Englischen gibt es ein Bündel an Bedeutungen, von "lahm" über "behindert" bis hin zu "nicht cool".
Ich suche dummerweise nach Beispielen; Alte Leute?- lame, Eltern? -lame, Deine Eltern? - lame, Ich? - lame, Du? Not lame.
Ich hätte es besser wissen sollen. Dabei können sie nicht einmal Treppen gehen, oder Shakespeare lesen ohne Traumata auszufassen.

Dienstag, 20. Mai 2014

Manhattan, Morningside Heights


Eigentlich sind wir "laufend" am Hudson. Eisiger Wind, geschwächt von der hiesigen Feinkost, ständigen Helikopterangriffen ausgesetzt. Irgendwer lässt die morgens raus, und dann knattern sie so lange über die Stadt, bis der riesige Fliegenpracker angetrieben vom gerissenen Geduldsfaden der Nicht-Flieger alle mit einem Schlag runterholt.
New York hat übrigens einen Footprint wie ganz Frankreich.
Nach dem Lauf beteiligen wir uns am Footprint mit einem gemütlichen Lunch in einem Restaurant an der Uferanlage: Hot Dogs mit Sauerkraut, amerikanisches Bitterbier, Salat, Fries und einem Kübel Mayo. Dazu das doppelte an Verpackung und Essbesteck.
Von Matt lerne ich den Unterschied zwischen Chicken Nuggets und Chicken Tender, ersteres würfelförmig, zweites bananenförmig, beides aus armen Hühnern gequetscht. Ich erläutere mein Projekt, 3 Wochen ohne Chicken auszukommen und ernte tiefes Unverständnis von allen Seiten.
Franzi läuft mir mittlerweile locker davon, aber ich werde trainieren. Und dann ergänzt sie noch, sie habe sich zurückgehalten. Und dann bin ich auch noch deutlich kleiner als Matt. Das ist das erfrischende am Zusammensein mit jungen Menschen.


Danach trösten wir uns gegenseitig.

Montag, 19. Mai 2014

Good morning Bronx


Einfach ganz früh raus aus dem Hinterausgang des Hotels, beim Öffnen der Tür zur Straße einen Alarm auslösen und in die kühle, sonnige Morgenluft der Bronx eintauchen. Einmal um den Block, Mineralwasser beim Mexikaner kaufen: Selters und den Puls spüren, den eigenen und den der Bronx.
Ich spiele, als würde ich ein Bein nachziehen. Dann haben sie vielleicht Mitleid und verschonen mich.




Schüler am Schulweg, zwielichtige Typen, Homeless People, zwielichtige Typen, Mamas mit Kindern, zwielichtige Typen und dann brettert ein fetter Truck am Hotel vorbei.

New York, Bronx

Wir reisen mit http://www.gobusesny.com
von Boston nach NY. Nach flottem Beginn landen wir in einem sehr langen Stau nach einem Unfall, der alle 3 Spuren lahmlegt. Die Klimaanlage bläst einen Eisstrom auf die Passagiere, sodass die ersten Frosttoten zu beklagen sind, nämlich die, die sich für eine Busreise eingekleidet haben und nicht für eine Polarexpedition. Der Busfahrer, ein stattlicher Schwarzer tritt mit der Würde eines Flugkapitäns auf und ist schon 65. Nachdem sich ein paar nach vorne gewagt haben, um von den Frostopfern zu berichten, macht er reinen Tisch mit einer sehr deutlichen und endgültigen Durchsage, dass er müde ist, ihm die Hitze zu schaffen macht und dass er ab jetzt keins von unseren Gesichtern mehr bei sich sehen will. Irgendwie verstehe ich den Mann und auch Jutta gibt ihm bei einer Pause zu verstehen, dass er das gut macht.
Nach 5 Stunden Fahrt, wegen Unfall und weiteren Staus und einem Höllenverkehr am Times Square erreichen wir Penn Station. Beim Aussteigen reicht mir unser Chauffeur die Hand und gratuliert mir zu meiner Frau: "She has a good heart".
Franzi erwartet uns und wir nehmen die U Bahn in die Bronx. Unser Hotel ist vom Feinsten. Selbst wenn wir die Bronx nicht überleben, es hat sich gelohnt.



Wenn man vom Eingang zum Fenster gemütlich geht, sind das ein paar Minuten und eine kleine Jause für unterwegs ist kein Fehler.
Und das gab es noch nie: Der Raum its größer als er auf der Homepage aussieht.
Unbedingt buchen:

Sonntag, 18. Mai 2014

West Newton

Gelandet  in Boston, leider gleichzeitig mit 3 anderen Flügen. Das bedeutet: Megaschlange bei der Einreise mit einem Schreikind hinter uns, das weit mehr Ausdauer beim Schreien zeigt, als ich beim Schlange stehen.
Der erste Tag, ein Auflehnen gegen die innere Uhr, die einen ins Bett schickt.
Immer gut: Bewegung. Also nix wie raus trotz geschlossener Wolkendecke mit Option Starkregen.
Wir werden nach Newton Center chauffiert, schauen uns intensiv um,  Jutta lauft Kaufschuhe und die Welt ist in Ordnung. Dazu hat eine mir bisher unbekannte Reinigungsmaschine alle Wolken vom Himmel geputzt und diesen tiefblau zurückgelassen. Rückweg zu Fuß, ca. 4 km auf der Beaconstreet.
Wir sind die einzigen Fußgänger, ansonsten hochgerüstete Jogger, nicht viel langsamer als der unaufhörliche Strom der Autos auf der Straße.
Erste Begegnung mit der einheimischen Nahrung im Whole Foods. Wir essen mit Blick auf den Parkplatz und die Welt ist schon wieder in Ordnung.









Erster Begegnung mit Godzilla im Boston Globe:



In der geplanten Fortsetzung "Kotzilla" gibt er alles wieder von sich.

Freitag, 1. November 2013

Die Kaisereichel

In Donnerskirchen wurde Jesus aus der Kirche entfernt, da er sich dort ohne Aufenthaltsgenehmigung aufhiehlt. Vermutlich eingeschleust aus dem syrisch israelischen Grenzgebiet, hatte er sich in der Bergkirche verschanzt. Ein aufmerksamer Gottesdienstbesucher hatte während der Messe eine Bewegung hinter dem Altar bemerkt und die Polizei verständigt.
Da er behauptete, Gottes Sohn zu sein, ohne sich mit den entsprechenden Dokumenten ausweisen zu können, wurde er vorläufig auf einem Abstellplatz in Schubhaft genommen. Als wir bei ihm vorbeikamen, betete er gerade.



Von Donnerskirchen führt der Weg sanft ansteigend mitten hinein ins Leithagebirge, wie üblich ohne jede Aussicht, weil das Akaziengestrüpp so dicht wächst. Nach etwa eineinhalb Stunden Aufstieg erreicht man den Aussichtsturm bei der Kaisereichel. Von dort hätte man einen herrlichen Rundblick, wenn nicht herbstlicher Dunst die Sicht begrenzen würde. Dennoch lohnt es die Mühe, sich endlich über das gelbrot gefärbte Blätterdach zu erheben und von der Sonne wärmen zu lassen.
Die Kaisereichel erinnert an Franz Joseph I., der sich des öfteren auf der hölzernen Aussichtsplattform einer uralten Eiche splitternackt gezeigt haben soll.
Das Kaiserreich war reich an Kaisereicheln, meistens unter Kaisereichen, wo reicher Kaiser Leichen leise aus den Reichen weichen.

Kaisereichel im Leithagebirge

Samstag, 26. Oktober 2013

Schmankerl

Ich bin im AKH für eine Belastungsergometrie. Die Dame, die mich aufruft, bemerkt nicht, dass ich gleich neben ihr sitze. Deshalb brüllt sie meinen Namen so laut, dass ich den Aufruf auch von zuhause gehört hätte.
Auf meine mündige Patientenart reagiert sie freundlich aber eindeutig. Halts Maul und tret (Subtext)
Als bei Puls 90 der Blutdruck um 30% einbricht, ruft sie:
"Du Herr Professor, i hab da ein Schmankerl für dich"
Der Professor Du sieht das etwas anders, sodass sie sich streiten.
Bevor es so richtig losgeht mit dem Zankerl übers Schmankerl, sagt sie noch zu mir, sie möchte, dass ich doch bitte draußen warten soll.
So verpasse ich vermutlich das wahre Schmankerl.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Bad Hall

gesprochen: Bäd Holl
bedeutet: böse Halle

Alle leben hier mit dem Präfix "gegen"
Es gibt keine Bauern, sondern nur Gegenbauern. Kein Verkehr, nur Gegenverkehr, keine Züge, nur Gegenzüge.
Die Inhaber unserer Pension heißen Gegenhuber.
Das Phänomen hat sich vermutlich aus der Gegenreformation entwickelt. Man weiss es nicht. Man kann es allerdings ohne weiteres behaupten, weil der Gegenbeweis schwer zu erbringen sein wird.
Im Stadttheater gibt es derzeit die Gegenfledermaus.
Ich will sie nicht sehen, weil ich genug habe vom Gegensein.
Am schlimmsten war der Golfplatz, auf dem natürlich Gegengolf gespielt wird. Jeder Spieler hat einen Gegenspieler und jeder Ball einen Gegenball. Dabei kommt es häufig zu Verletzungen.
Als ich am Rande des Spielfeldes stand, trat ein Spieler an mich heran und kritisierte meinen Stand:
Ich solle es mal mit dem Gegenstand probieren.

Nie wieder Bad Hall

Dazu gab es kein Gegenangebot

Samstag, 5. Oktober 2013

Steyr

Bitte nicht hinfahren. Das ist ein Kriegsgebiet und als eine der ersten österreichischen Städte komplett von den Autos erobert. Etliche Fußgänger wurden an Kreuzungen eingeschlossen und als Geiseln genommen. Die Forderung des Sprechers (ein BMW): Beseitigung der verbliebenen Gehsteige und Asphaltierung aller Grünflächen.
Die Stadt soll innerhalb einer Woche fußgängerfrei sein.
Ansonsten werden die Geiseln angehupt, angefahren und schließlich überrollt.
Der Bürgermeister (BMW-Fahrer) ist zu Verhandlungen bereit und bereits auf die meisten Forderungen eingegangen.
Das Christkindl ist auf der Flucht, weil es gar keinen Führerschein besitzt, eine Bedingung für den Verbleib in der Stadt.
Auch wir flüchten nach einer Stunde Zwangsaufenthalt im Labyrinth der Straßensperren und Umleitungen über eine winzige Landstraße Richtung nicht asphaltierbares Gebirge und landen in Bad Hall, das sich allerdings ebenfalls im Belagerungszustand befindet.
An einer Straßenecke liegt dort das Christkind im Dreck und bettelt um ein bisschen Brot.
Wir buchen 2 Tage
in der Parkpension und hoffen, dass es mit der kompletten Übernahme noch ein Weilchen dauert.
Heute wandern wir zum Baum mitten in der Welt bei Kremsmünster und versuchen dort Kontakt aufzunehmen mit der Fußgängerfront OÖ, die sich in einem Gewölbe verschanzt hat und Angriffe auf Tankstellen plant.
Bisher konnten immerhin die gesamten Bestände an Scheibenfrostschutz sichergestellt und in einem Salzstollen gelagert werden.
Eine Kältewelle ist angekündigt.


Mittwoch, 3. Juli 2013

Einladung

Hiermit lade ich alle Geheimdienste herzlich zu meinem Blog ein.
Vielleicht gibt es ja Verstecktes, von dem ich selbst keine Ahnung habe.
Bitte auch meine Cartoons und Reisetagebücher gewissenhaft prüfen.

Als Emissionshändler bemühe ich mich, immer mal wieder online abzuladen, was
für mein eigentliches Tagebuch zu blabla ist.

liebe Grüße auch an die Gattinen.

Ach ja, die brauchen ja gar keine Einladung.

Sonntag, 9. Juni 2013

Haute Couture aus dem Walmart


Ich darf es nur zum Kochen anziehen, oder zum Schlafen.
Weiß nicht, was die haben. Ist doch schön.

Samstag, 8. Juni 2013

Massachusetts, New Hampshire

New Vocabulary (powered by Matthew)

minion - einer, der jeden dreck wegräumen muss

phenom - herausragender Typ

terrific - großartig

to poop - scheißen

handyman - einer, der gut sachen reparieren kann

greasy spoon - schmieriger Löffel, Bezeichnung für ein eher unappetitliches Lokal

going the way of the Dodo - Aussterben , z.B. indem man einfach die Straße quert

here comes the Devil - wenn man vom Teufel spricht

it's all teed up - kommt vom Tee beim Golf

par for the course - kommt vom Golf, meint Ziel genau erreicht 
hedgehog - Igel

cheesy - schmalzig

It's like watching paint dry - urlangweilig

when hell freezes over - praktisch nie
no service - kein netz


no charge - keine Batterie



to be continued

Mittwoch, 1. Mai 2013

Nemesis

Ein Todesstern (Nemesis), der alle 68 Millionen Jahre aus dem Dunkel auftaucht und die Erde verwüstet, ist die Annahme eines Wissenschaftlers mit depressiver Veranlagung. Käme Nemesis, wäre es ihm ein Volksfest.
Ebenso realistisch wäre die Annahme, dass alle 51 Millionen Jahre ein gigantischer Eissalon an uns vorbei rast, der sich mit der Stimme von Christina Aguilera ankündigt.

Tirol

Früher war es mal bergig,
jetzt wird es immer Platter.

Donnerstag, 11. April 2013

An alle Nassrasierer

Ihr könnt euch den Dauerkauf von Klingen sparen.
Ihr könnt Abfall vermeiden, Ressourcen schonen, eurem geplagten Gewissen eine Ruhepause gönnen und der Klingenindustrie eins auswischen.
Für das gesparte Geld könnt ihr euch auch einmal in der Woche vom Barbier scheren lassen.

Wie das geht?

Ganz einfach: Nach jeder Rasur mit der Klinge auf einem Rest Rasierschaum in Nicht-Rasierrichtung!
ein paar mal nachschärfen.

Bitte ausprobieren und die Botschaft weiterverbreiten.

Da geht noch viel mehr.

Montag, 1. April 2013

Krumau, Tschechien

Venedig mit nur einem Kanal, der dickdarmgleich 2 Inseln umschlingt, den schlossigen und den häusrigen. Durch diesen Darm jagen Ströme von Bakterien, als Touristen verkleidet. Mit kleinen Kameras gastroskopieren sie die schmucken Darmwände. Am Ausgang dieser "Darmstadt" werden sie in Reisebusse ausgeschieden. Manchmal staut es sich und eine Kolik baut sich auf, beginnt zu gären und zu schwären bis Druck und Peristaltik den Strom wieder in Bewegung setzen.
Scheißtourismus.



In einer Kneipe spielen am Abend Charly Leitner und Willy Bell Oldies. Alles raucht und lauscht den beiden Gitarristen, deren verstärkte Instrumente über 2 scheppernde Boxen durch das Kellergewölbe gejagt werden. Das Bier wird im tiefgefrorenem Glas serviert, ein Hochgenuß.
Am nächsten Morgen werden wir beim Stadtbummel angesprochen. Es ist Charly Leitner. Seine Urgroßmutter saß mit Adolf Hitler in der Schulklasse. Wenn sein Vater ihn abholte, pfiff er nach ihm, wie nach einem Hund.
Die Folgen kennt man.
Charlys Familie zog dann nach Gmunden. Dort hat ein Verwandter von ihm öfter in der Stammkneipe von  Thomas Bernhard gesessen, aber nie ein Wort mit ihm gewechselt.





Sonntag, 11. November 2012

Vor der OP

Es gibt Regeln. Ich frage den Arzt, der morgens zur Visite kommt, ob ich noch mal Ausgang bekomme.
Eher nicht üblich, meint er. Ich könnte unter ein Auto laufen.
Und ein Restaurantbesuch könnte zu Durchfall oder anderen Unannehmlichkeiten führen.
Ich folge dem guten Rat, was sonst?
Hoffentlich stürzt kein Flugzeug ins AKH.
Und hoffentlich läuft kein Patient Amok.

Donnerstag, 8. November 2012

Der Herzschubs

Hoch oben, auf der 20. Ebene im AKH Wien warte ich auf eine OP.
Dabei hatte ich das Vergnügen, Aladin Basic kennen zu lernen. Er kommt aus Prijedor in Bosnien. Er ist Waise und mittlerweile 17 Jahre alt.
Er hat eine Herztransplantation hinter sich und ist ein sympathischer, witziger, hellwacher Junge.
Stolz zeigt er mir ein Trikot der bosnischen Fußball-Nationalmannschaft mit den Unterschriften aller Spieler.
Dann darf er zum ersten Mal wieder unter die Dusche und kommt fast nicht mehr raus vor Vergnügen.
Die OP wurde ausschließlich aus Spendengeldern finanziert. Anita, Malerin und aus der gleichen Stadt wie Aladin, managt vor Ort alles für ihn. Ich bin zutiefst beeindruckt und habe diese fröhliche Gesellschaft sehr genossen. Heute wurde Aladin nach einem halben Jahr Krankenhaus entlassen und ich wünsche mir, dass das alles eine Chance für ihn ist.
Anita, die Malerin, klärt mich auf, wie nach der OP, bei der ja das Herz ruhiggestellt und der Patient durch die Herz-Lungenmaschine am Leben gehalten wird, das Herz wieder geweckt wurde. Ich bin überrascht. Es wurde mit dem Finger angeschubst.
Was für ein Moment.

Homepage von Anita:
http://www.anitazecic.com/
Aladin:
http://translate.google.com/translate?hl=de&sl=hr&tl=de&u=http%3A%2F%2Fpuharska.net%2Faladin%2Ftransplatacija.html&anno=2

Nach etlichen Fachgesprächen erfahre ich, dass der Schubs nicht immer seinen Auftritt hat.
Das Herz beginnt spontan wieder mit der Pumperei, wenn die Gefäßklemmen weg kommen.
Ist doch auch schön, dass man das allein schafft.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Zur Verurteilung der Erdbebenforscher

Alle Wissenschaftler weltweit werden verklagt wegen Verharmlosung.
Sie wissen es alle und haben nicht gewarnt vor den Risiken von
fast allem.

Wo ihr zu Hause seid

"Bei mir sads alle im Oarsch daham,
im Oarsch dort is eicher Adress
Bei mir sads alle im Oarsch daham,
und I bin dem Oarsch sei Abszess."

Wunderbare Erwiderung auf alle möglichen täglichen Anwürfe.
Allein dafür hat es sich gelohnt, nach Österreich zu ziehen.

http://www.youtube.com/watch?v=eDuvpNkAKiw

Mittwoch, 17. Oktober 2012

B I L D

"for my chauffeurs"

"trust yourself"




"auch nur ein mensch"


"Terror"

Heimlicher Star unter den Sprayern, zwischen Atzgersdorf und Hauptbahnhof. Wie er wohl heißen mag, was er so tut und wohin es ihn wohl noch treibt?

Tags "Bild" "Lid" "ich" (?)

Samstag, 11. August 2012

Immer wenn ich in Saarbrücken bin,

regrediere ich und fühle meine Kindheit.  Doch dies ist das erste Mal, dass ich dabei tatsächlich körperliche Veränderungen bemerke. Ich hoffe, das geht wieder weg!

Sonntag, 15. Juli 2012

FJK

12. bis 14. Juli

Um halb 6 aufgewacht. Eine Schwester begrüßt uns mit „Guten Morgen“ . Wir sind 3. Ich bekam das Bett in der Mitte zwischen 2 Herren, die um einiges älter sind. Wir liegen auf H 31. H steht für Herz und ist eines der noch nicht runderneuerten Gebäude des Kaiser Franz Joseph Krankenhauses.
Es war sicher einmal ein wahres Prachtstück vor guten hundert Jahren großzügig angelegt mit Grünanlagen, einer von etlichen Pavillions.
Die Aufnahme war reibungslos verlaufen. Ich kam direkt von der Arbeit und die Schwester war sauer, weil ich so spät (aber genehmigt und angekündigt) kam. Eines der zahlreichen Kommunikationsprobleme. 

Heute regnet es und ich warte auf meine Herzkatheteruntersuchung. Ich hatte eine Voruntersuchung und erste Visite von 2 Ärzten bereits gestern nach meiner Aufnahme am Abend. 
Die beiden sind sehr jung, bemühen sich aber nach besten Kräften um einen souveränen Auftritt, eine feste investigative Stimme und die in Jahrtausenden gehegte Autorität des Medizinmannes. Das alles soll auch zu einem gediegenen Einkommen in absehbarer Zeit beitragen, incl. flottem Flitzer, Motoryacht und hipper Hütte.
Ich habe immer das Gefühl, dass die gleich schneiden wollen, aufmachen, Kontrolle über meine Organe. Noch nie kam die Frage: Was möchten Sie hier?
Ich möchte nämlich nicht operiert werden. Ich suche nach einer Medizin, die mich in meinem Wunsch unterstützt, mit meiner außergewöhnlichen (ich vermeide bewusst den Begriff „degeneriert“) Aortenklappe das Leben zu genießen.
Dafür verzichte ich gerne auf Höchstleistungen, die eine Zigarette am Abend und gehe auch gerne beruflich alles etwas ruhiger an. Natürlich sollte ich auch Infektionen vermeiden.
Einer der Ärzte sagte, Schwarzenegger hätte ebenfalls eine zusammengewachsene Herzklappe gehabt. Er hätte zuerst eine Schweineklappe einsetzen lassen, danach eine aus Metall. Und der Mann schaut doch prächtig aus. Das macht Mut. Aber ich möchte ja nicht operiert werden.
Ich möchte immer auf dem selben Wissensstand sein wie meine behandelnden oder untersuchenden Ärzte und mir eine Meinung bilden. Das allein ist schon krank.
Ich suche außerdem den Mediziner meines Vertrauens, einen, der zumindest den Anschein erweckt, dass er sich a) für mich und/oder b) für sein Fach, sprich meinen Fall interessiert.
Meine Herzklappe ist nämlich etwas besonderes und verdient Zuwendung und Interesse. Sollte ich den/die Supermediziner/in finden, werde ich mich und meine Herzklappe, falls erforderlich in seine/ihre Hände legen.
Ich soll noch zum Lungenröntgen. Können Sie gehen? Was sonst, denke ich, oder bedeutet der Aufenthalt in einem Spital, dass man die Gehfähigkeit abgibt? Und so werde ich telefonisch angekündigt als "gehender Patient". Nach dem begangenen Röntgen, melde ich mich auf meiner Station ab und benutze meine Beine, um als gehender Patient mit einer ersten Nadel im Arm das nahegelegene Kinozentrum aufzusuchen. Mein Bettnachbar ist neidisch, weil er an der Flasche hängt und nicht mit kann. Bis elf ist die Station offen, dann muss man klingeln. Der Arzt meint, früher hätte man dem Portier ein Trinkgeld gegeben, wenn man spät kam, ich solle schon mal einen Hunderter mitnehmen. Ist ja geschenkt.
Ich wähle Ice Age 4, weil ich es für die Psyche eines Spitalspatienten für aufbauender erachte als eine Tschernobyl-Doku.

Derweil werde ich mitsamt Bett durchs Haus geschoben, in ein Fahrzeug verladen und nach Kathederland verfrachtet. Da sind alle entspannt und ich werde zu jeder Zeit tadellos informiert, was da gerade gestochen, gespritzt, ein- und ausgeführt, rasiert, geschmiert oder geröntgt wird. Auf dem Monitor kann ich ein wenig mitverfolgen, wie so ein Fädchen sich in meiner Brust ringelt.
Ich kann ganz zart den Weg des Drahtes durch den Arm spüren, dann nicht mehr. Erkennen kann ich nichts, werde aber informiert, dass der heftige Strom meiner wuchtigen Klappe die Kamera immer wieder wegpustet, sodass kein Bild zustande kommt.
Deshalb muss nach etlichen Versuchen doch der Weg durch die Leiste gestochen werden, worüber ich mich nicht wirklich freue. Der Arzt meint, die ganzen Drähtchen wären optimiert für diesen Weg, weil es der traditionelle und erste Weg war.

Inzwischen fühlt sich mein Daumen etwas taub an und ich nutze das Vorhandensein einer Harnflasche, um dem kräftigen Drang des Kontrastmittels nachzugeben. Tut das gut. Endlich gelingt das Klappenshooting und ich werde erlöst. Mit Druckverbänden und Pflastern reise ich wieder per Bett zurück in meine Station. Erfrischende Regentropfen begrüßen mich. Oh, wie dankbar bin ich, dass die Hitzewelle ein Ende hat.

Vor dem Mittagessen erlebe ich meine erste Visite. Der Stationsarzt brüllt Anweisungen, Fragen, Antworten, Vorwürfe so laut, dass ich bereits über das Nachbarzimmer Bescheid weiß. Der Voraustrupp ist bereits im Zimmer. Zettelfuchtelnd folgt der Stationsarzt. Wem auch immer teilt er lautstark mit, dass er seit 80 Stunden im Dienst ist. Er wird sich doch nicht bei den Patienten ausheulen? Die Botschaft für uns 3 kommt an: Lasst den Mann bloß in Ruhe, nicht widersprechen, am besten überhaupt nicht sprechen oder vorsichtig bestätigen. Bei meinem Nachbarn geht es um einen Sturz in der Nacht, bei mir eigentlich um nichts, ausser dass ich angeblich nach Bad Homburg will zur Rekonstruktion, also einer der sich selber managt. Okay für ihn, eventuell ein wenig beleidigend für den medizinischen Standort Österreich, aber er lässt es nicht spüren und verspricht mir einen Arztbrief hoffentlich nicht für Bad Homburg, denn Homburg liegt im Saarland und ist Bad-los. Egal, ich bin durch.
Der arme S. kommt dann voll dran. Er ist sauer, weil es ihm um eine Herzklappe geht und er eine Darmspiegelung hatte. Tja, da sind halt noch ein paar Voruntersuchungen nötig, haben wir Probleme damit? 
Herr S. Grummelt.
Sagen Sie was
S. grummelt; basst scho.
Scheinbar nicht.
S. grummelt noch mehrmals ohne was zu sagen, bis er schließlich doch noch zum Ausdruck bringt, dass er das Gefühl hat, dass nix weiter geht.
Sie müssen sich auch gar nicht operieren lassen.
S. findet alles okay. Stationsarzt doch nicht explodiert nach 80-Stunden-Schicht.
Und schon sind alle weg und der Essenstransport fährt vor. Das ist unter den gegebenen Umständen das Highlight des Tages und hinterlässt drei wortlos sich vollstopfende Visitierte.
Richtig glücklich bin ich dann, als mich meine Frau besucht.
Man informiert mich, dass ich morgen nach der Visite aus-checken kann.
So nach und nach werden die Verbände entfernt und enthüllen 2 winzige, schön verheilte Eintrittswunden.
Die Nächte sind hart. Ich liege zwischen Schnarchbär und Rumpelstilzchen und im Nebenzimmer, einem Einzelzimmer residiert das Krokodil. Noch niemand hat es gesehen, jeder hat es gehört. Wer den Drachen Dagobert aus Kasperl kennt, sollte sich die dreifache Lautstärke vorstellen, dazu weniger Verständlichkeit und mehr Gejammer. Das Krokodil hat ausgedehnte Brüllphasen, gegen die wir uns durch sofortiges Verschließen der Flurtür zur Wehr setzen. Viel mehr kann man nicht tun, es sei denn man hat Ohrstöpsel oder Kopfhörer im Gepäck.
Nachdem meine Verbände entfernt und die Eintrittswunden gut verheilt sind, spaziere ich durchs Haus. Im Treppenhaus gibt es eine Fotoausstellung vielleicht von einem hobbyversessenen Primararzt, der sich so von den Niederungen stöhnender Krokodile erholt. Es geht um Delphine und andere Meerestiere. In originellen, qualitativ beachtlichen Fotomontagen schwimmen Fischschwärme durch die Wüste. Das Bild heißt in etwa „Clownfischfamilie auf Urlaub“.
Angekündigt werden neue Fotos im September. Schade, bin schon weg, denke ich, bis mein Blick auf die Jahreszahl fällt: 2007, das Jahr des Delphins.

Mein Liebling im Treppenhaus ist ein betagter Aufzug, dessen Besonderheit ist, dass er immer funktioniert und die Tür automatisch aufschwingt. Ich benötige 3 Fahrten, um endlich zu begreifen, dass ich die Finger von der Tür lassen muss. Dann sind wir dicke Freunde und ich beobachte ergriffen, wie dieses vorsintflutliche Teil gemächlich, aber verlässlich eine innere Falttür öffnet und dann mit Klick und Klack die äußere beige lackierte Tür öffnet. Man muss einfach nur Knöpfchen drücken und abwarten.

Im Keller stehen 2 Getränkeautomaten, einer davon für diverse Kaffeespezialitäten. Leider ist mir alles Kleingeld abhanden gekommen, sodass ich mich verzweifelt nach einer Wechselmöglichkeit umsehe. Da kommt ein kräftig gebauter Mann und bietet mir Hilfe an. Er kann zwar nicht wechseln, dafür spendiert er mir einen Kaffee, ist doch klar. Er ist türkischstämmig, d.h. wie ich migrationshintergründig. Seine Familie ist riesig, dreistellige Zahlen, und wächst rasant. Ich rechne hoch, dass sie innerhalb der nächsten 20 Jahre die Mehrheit in Österreich und Deutschland ausmachen könnte. Er sieht super aus und arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Techniker für das Krankenhaus. Außerdem ist er ein netter Typ.
Gerade erhalte ich den Arztbrief und nun trennt mich nur noch eine Nadel in meiner Vene vom Abflug. Als die Schwester kommt, fragen wir sie nach dem Krokodil im Nebenzimmer. Vorher war mir schon aufgefallen, dass die Schwestern öfter kicherten, wenn sie den Mann behandelten.
Sie meinte, er wäre lustig. Manchmal würde er weinen und singen. Er kommt schon seit Jahren, wegen Krankheit, meint sie kryptisch.