Mittwoch, 21. Mai 2014

Commencement


Zurück vom Frühstücksbuffet kann der Tag beginnen. Mittlerweile wissen wir, welche Nahrungsmittel edible (essbar) sind, welche furchtbar schmecken, und welche einen in die Ambulanz bringen.
Auf meiner Frührunde durch die Bronx entdecke, besuche und überlebe ich diesmal das Bronx Outlet.


Auf dem Rückweg kaufe ich geschnittene Mangostreifen und vergesse das Wechselgeld (7 Dollar).
Die Verkäuferin rennt mir nach und gibt es mir. Beim Wasserkaufen gebe ich 5 Dollar zu viel. Der düstere Typ ruft mir nach und gibt mir die Scheine zurück. Die Bronx klaut nur das große Geld, ansonsten zeigt sie einen beachtlichen Stolz.

Die Stadt füllt sich allmählich mit bunten Roben. Jede Uni hat ihre eigene prächtige Farbe, Familien ziehen mit ihrem graduierten Spross durch die Straßen, während wir den Umzug nach New Hampshire vorbereiten, d.h. alle packen und ich fotografiere.

NYU
Columbia
Die Studenten haben den Ruf, nicht ganz realitätstauglich zu sein. Deshalb im Bookstore die Warnung, dass die Nutzung einer Treppe volle Aufmerksamkeit verdient. Die Nutzung der Rolltreppe scheint man ihnen zuzutrauen. In der Zeitung las ich passend dazu, dass amerikanische Studenten fordern, dass vor gewissen Werken der Weltliteratur ebenfalls Warnhinweise stehen sollten, um nicht Traumata auszulösen. Achtung Shakespeare: Nach der Lektüre unbedingt mit einem Psychologen Kontakt aufnehmen.

Lunch im Park

Wir treffen uns mit Long, den wir noch von Dartmouth her kennen. Er forscht ein paar Jahre an der NYU über das Gehirn. Im Keller des Institutsgebäudes betreut er die Laboraffen. Einer von ihnen heißt Algebra. Wahnsinn.

Beim Dinner (Italiener) am Broadway lerne ich von Matt wieder ein neues Wort: "lame"
Wie so oft im Englischen gibt es ein Bündel an Bedeutungen, von "lahm" über "behindert" bis hin zu "nicht cool".
Ich suche dummerweise nach Beispielen; Alte Leute?- lame, Eltern? -lame, Deine Eltern? - lame, Ich? - lame, Du? Not lame.
Ich hätte es besser wissen sollen. Dabei können sie nicht einmal Treppen gehen, oder Shakespeare lesen ohne Traumata auszufassen.

Dienstag, 20. Mai 2014

Manhattan, Morningside Heights


Eigentlich sind wir "laufend" am Hudson. Eisiger Wind, geschwächt von der hiesigen Feinkost, ständigen Helikopterangriffen ausgesetzt. Irgendwer lässt die morgens raus, und dann knattern sie so lange über die Stadt, bis der riesige Fliegenpracker angetrieben vom gerissenen Geduldsfaden der Nicht-Flieger alle mit einem Schlag runterholt.
New York hat übrigens einen Footprint wie ganz Frankreich.
Nach dem Lauf beteiligen wir uns am Footprint mit einem gemütlichen Lunch in einem Restaurant an der Uferanlage: Hot Dogs mit Sauerkraut, amerikanisches Bitterbier, Salat, Fries und einem Kübel Mayo. Dazu das doppelte an Verpackung und Essbesteck.
Von Matt lerne ich den Unterschied zwischen Chicken Nuggets und Chicken Tender, ersteres würfelförmig, zweites bananenförmig, beides aus armen Hühnern gequetscht. Ich erläutere mein Projekt, 3 Wochen ohne Chicken auszukommen und ernte tiefes Unverständnis von allen Seiten.
Franzi läuft mir mittlerweile locker davon, aber ich werde trainieren. Und dann ergänzt sie noch, sie habe sich zurückgehalten. Und dann bin ich auch noch deutlich kleiner als Matt. Das ist das erfrischende am Zusammensein mit jungen Menschen.


Danach trösten wir uns gegenseitig.

Montag, 19. Mai 2014

Good morning Bronx


Einfach ganz früh raus aus dem Hinterausgang des Hotels, beim Öffnen der Tür zur Straße einen Alarm auslösen und in die kühle, sonnige Morgenluft der Bronx eintauchen. Einmal um den Block, Mineralwasser beim Mexikaner kaufen: Selters und den Puls spüren, den eigenen und den der Bronx.
Ich spiele, als würde ich ein Bein nachziehen. Dann haben sie vielleicht Mitleid und verschonen mich.




Schüler am Schulweg, zwielichtige Typen, Homeless People, zwielichtige Typen, Mamas mit Kindern, zwielichtige Typen und dann brettert ein fetter Truck am Hotel vorbei.

New York, Bronx

Wir reisen mit http://www.gobusesny.com
von Boston nach NY. Nach flottem Beginn landen wir in einem sehr langen Stau nach einem Unfall, der alle 3 Spuren lahmlegt. Die Klimaanlage bläst einen Eisstrom auf die Passagiere, sodass die ersten Frosttoten zu beklagen sind, nämlich die, die sich für eine Busreise eingekleidet haben und nicht für eine Polarexpedition. Der Busfahrer, ein stattlicher Schwarzer tritt mit der Würde eines Flugkapitäns auf und ist schon 65. Nachdem sich ein paar nach vorne gewagt haben, um von den Frostopfern zu berichten, macht er reinen Tisch mit einer sehr deutlichen und endgültigen Durchsage, dass er müde ist, ihm die Hitze zu schaffen macht und dass er ab jetzt keins von unseren Gesichtern mehr bei sich sehen will. Irgendwie verstehe ich den Mann und auch Jutta gibt ihm bei einer Pause zu verstehen, dass er das gut macht.
Nach 5 Stunden Fahrt, wegen Unfall und weiteren Staus und einem Höllenverkehr am Times Square erreichen wir Penn Station. Beim Aussteigen reicht mir unser Chauffeur die Hand und gratuliert mir zu meiner Frau: "She has a good heart".
Franzi erwartet uns und wir nehmen die U Bahn in die Bronx. Unser Hotel ist vom Feinsten. Selbst wenn wir die Bronx nicht überleben, es hat sich gelohnt.



Wenn man vom Eingang zum Fenster gemütlich geht, sind das ein paar Minuten und eine kleine Jause für unterwegs ist kein Fehler.
Und das gab es noch nie: Der Raum its größer als er auf der Homepage aussieht.
Unbedingt buchen:

Sonntag, 18. Mai 2014

West Newton

Gelandet  in Boston, leider gleichzeitig mit 3 anderen Flügen. Das bedeutet: Megaschlange bei der Einreise mit einem Schreikind hinter uns, das weit mehr Ausdauer beim Schreien zeigt, als ich beim Schlange stehen.
Der erste Tag, ein Auflehnen gegen die innere Uhr, die einen ins Bett schickt.
Immer gut: Bewegung. Also nix wie raus trotz geschlossener Wolkendecke mit Option Starkregen.
Wir werden nach Newton Center chauffiert, schauen uns intensiv um,  Jutta lauft Kaufschuhe und die Welt ist in Ordnung. Dazu hat eine mir bisher unbekannte Reinigungsmaschine alle Wolken vom Himmel geputzt und diesen tiefblau zurückgelassen. Rückweg zu Fuß, ca. 4 km auf der Beaconstreet.
Wir sind die einzigen Fußgänger, ansonsten hochgerüstete Jogger, nicht viel langsamer als der unaufhörliche Strom der Autos auf der Straße.
Erste Begegnung mit der einheimischen Nahrung im Whole Foods. Wir essen mit Blick auf den Parkplatz und die Welt ist schon wieder in Ordnung.









Erster Begegnung mit Godzilla im Boston Globe:



In der geplanten Fortsetzung "Kotzilla" gibt er alles wieder von sich.

Freitag, 1. November 2013

Die Kaisereichel

In Donnerskirchen wurde Jesus aus der Kirche entfernt, da er sich dort ohne Aufenthaltsgenehmigung aufhiehlt. Vermutlich eingeschleust aus dem syrisch israelischen Grenzgebiet, hatte er sich in der Bergkirche verschanzt. Ein aufmerksamer Gottesdienstbesucher hatte während der Messe eine Bewegung hinter dem Altar bemerkt und die Polizei verständigt.
Da er behauptete, Gottes Sohn zu sein, ohne sich mit den entsprechenden Dokumenten ausweisen zu können, wurde er vorläufig auf einem Abstellplatz in Schubhaft genommen. Als wir bei ihm vorbeikamen, betete er gerade.



Von Donnerskirchen führt der Weg sanft ansteigend mitten hinein ins Leithagebirge, wie üblich ohne jede Aussicht, weil das Akaziengestrüpp so dicht wächst. Nach etwa eineinhalb Stunden Aufstieg erreicht man den Aussichtsturm bei der Kaisereichel. Von dort hätte man einen herrlichen Rundblick, wenn nicht herbstlicher Dunst die Sicht begrenzen würde. Dennoch lohnt es die Mühe, sich endlich über das gelbrot gefärbte Blätterdach zu erheben und von der Sonne wärmen zu lassen.
Die Kaisereichel erinnert an Franz Joseph I., der sich des öfteren auf der hölzernen Aussichtsplattform einer uralten Eiche splitternackt gezeigt haben soll.
Das Kaiserreich war reich an Kaisereicheln, meistens unter Kaisereichen, wo reicher Kaiser Leichen leise aus den Reichen weichen.

Kaisereichel im Leithagebirge

Samstag, 26. Oktober 2013

Schmankerl

Ich bin im AKH für eine Belastungsergometrie. Die Dame, die mich aufruft, bemerkt nicht, dass ich gleich neben ihr sitze. Deshalb brüllt sie meinen Namen so laut, dass ich den Aufruf auch von zuhause gehört hätte.
Auf meine mündige Patientenart reagiert sie freundlich aber eindeutig. Halts Maul und tret (Subtext)
Als bei Puls 90 der Blutdruck um 30% einbricht, ruft sie:
"Du Herr Professor, i hab da ein Schmankerl für dich"
Der Professor Du sieht das etwas anders, sodass sie sich streiten.
Bevor es so richtig losgeht mit dem Zankerl übers Schmankerl, sagt sie noch zu mir, sie möchte, dass ich doch bitte draußen warten soll.
So verpasse ich vermutlich das wahre Schmankerl.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Bad Hall

gesprochen: Bäd Holl
bedeutet: böse Halle

Alle leben hier mit dem Präfix "gegen"
Es gibt keine Bauern, sondern nur Gegenbauern. Kein Verkehr, nur Gegenverkehr, keine Züge, nur Gegenzüge.
Die Inhaber unserer Pension heißen Gegenhuber.
Das Phänomen hat sich vermutlich aus der Gegenreformation entwickelt. Man weiss es nicht. Man kann es allerdings ohne weiteres behaupten, weil der Gegenbeweis schwer zu erbringen sein wird.
Im Stadttheater gibt es derzeit die Gegenfledermaus.
Ich will sie nicht sehen, weil ich genug habe vom Gegensein.
Am schlimmsten war der Golfplatz, auf dem natürlich Gegengolf gespielt wird. Jeder Spieler hat einen Gegenspieler und jeder Ball einen Gegenball. Dabei kommt es häufig zu Verletzungen.
Als ich am Rande des Spielfeldes stand, trat ein Spieler an mich heran und kritisierte meinen Stand:
Ich solle es mal mit dem Gegenstand probieren.

Nie wieder Bad Hall

Dazu gab es kein Gegenangebot

Samstag, 5. Oktober 2013

Steyr

Bitte nicht hinfahren. Das ist ein Kriegsgebiet und als eine der ersten österreichischen Städte komplett von den Autos erobert. Etliche Fußgänger wurden an Kreuzungen eingeschlossen und als Geiseln genommen. Die Forderung des Sprechers (ein BMW): Beseitigung der verbliebenen Gehsteige und Asphaltierung aller Grünflächen.
Die Stadt soll innerhalb einer Woche fußgängerfrei sein.
Ansonsten werden die Geiseln angehupt, angefahren und schließlich überrollt.
Der Bürgermeister (BMW-Fahrer) ist zu Verhandlungen bereit und bereits auf die meisten Forderungen eingegangen.
Das Christkindl ist auf der Flucht, weil es gar keinen Führerschein besitzt, eine Bedingung für den Verbleib in der Stadt.
Auch wir flüchten nach einer Stunde Zwangsaufenthalt im Labyrinth der Straßensperren und Umleitungen über eine winzige Landstraße Richtung nicht asphaltierbares Gebirge und landen in Bad Hall, das sich allerdings ebenfalls im Belagerungszustand befindet.
An einer Straßenecke liegt dort das Christkind im Dreck und bettelt um ein bisschen Brot.
Wir buchen 2 Tage
in der Parkpension und hoffen, dass es mit der kompletten Übernahme noch ein Weilchen dauert.
Heute wandern wir zum Baum mitten in der Welt bei Kremsmünster und versuchen dort Kontakt aufzunehmen mit der Fußgängerfront OÖ, die sich in einem Gewölbe verschanzt hat und Angriffe auf Tankstellen plant.
Bisher konnten immerhin die gesamten Bestände an Scheibenfrostschutz sichergestellt und in einem Salzstollen gelagert werden.
Eine Kältewelle ist angekündigt.


Mittwoch, 3. Juli 2013

Einladung

Hiermit lade ich alle Geheimdienste herzlich zu meinem Blog ein.
Vielleicht gibt es ja Verstecktes, von dem ich selbst keine Ahnung habe.
Bitte auch meine Cartoons und Reisetagebücher gewissenhaft prüfen.

Als Emissionshändler bemühe ich mich, immer mal wieder online abzuladen, was
für mein eigentliches Tagebuch zu blabla ist.

liebe Grüße auch an die Gattinen.

Ach ja, die brauchen ja gar keine Einladung.

Sonntag, 9. Juni 2013

Haute Couture aus dem Walmart


Ich darf es nur zum Kochen anziehen, oder zum Schlafen.
Weiß nicht, was die haben. Ist doch schön.

Samstag, 8. Juni 2013

Massachusetts, New Hampshire

New Vocabulary (powered by Matthew)

minion - einer, der jeden dreck wegräumen muss

phenom - herausragender Typ

terrific - großartig

to poop - scheißen

handyman - einer, der gut sachen reparieren kann

greasy spoon - schmieriger Löffel, Bezeichnung für ein eher unappetitliches Lokal

going the way of the Dodo - Aussterben , z.B. indem man einfach die Straße quert

here comes the Devil - wenn man vom Teufel spricht

it's all teed up - kommt vom Tee beim Golf

par for the course - kommt vom Golf, meint Ziel genau erreicht 
hedgehog - Igel

cheesy - schmalzig

It's like watching paint dry - urlangweilig

when hell freezes over - praktisch nie
no service - kein netz


no charge - keine Batterie



to be continued

Mittwoch, 1. Mai 2013

Nemesis

Ein Todesstern (Nemesis), der alle 68 Millionen Jahre aus dem Dunkel auftaucht und die Erde verwüstet, ist die Annahme eines Wissenschaftlers mit depressiver Veranlagung. Käme Nemesis, wäre es ihm ein Volksfest.
Ebenso realistisch wäre die Annahme, dass alle 51 Millionen Jahre ein gigantischer Eissalon an uns vorbei rast, der sich mit der Stimme von Christina Aguilera ankündigt.

Tirol

Früher war es mal bergig,
jetzt wird es immer Platter.

Donnerstag, 11. April 2013

An alle Nassrasierer

Ihr könnt euch den Dauerkauf von Klingen sparen.
Ihr könnt Abfall vermeiden, Ressourcen schonen, eurem geplagten Gewissen eine Ruhepause gönnen und der Klingenindustrie eins auswischen.
Für das gesparte Geld könnt ihr euch auch einmal in der Woche vom Barbier scheren lassen.

Wie das geht?

Ganz einfach: Nach jeder Rasur mit der Klinge auf einem Rest Rasierschaum in Nicht-Rasierrichtung!
ein paar mal nachschärfen.

Bitte ausprobieren und die Botschaft weiterverbreiten.

Da geht noch viel mehr.

Montag, 1. April 2013

Krumau, Tschechien

Venedig mit nur einem Kanal, der dickdarmgleich 2 Inseln umschlingt, den schlossigen und den häusrigen. Durch diesen Darm jagen Ströme von Bakterien, als Touristen verkleidet. Mit kleinen Kameras gastroskopieren sie die schmucken Darmwände. Am Ausgang dieser "Darmstadt" werden sie in Reisebusse ausgeschieden. Manchmal staut es sich und eine Kolik baut sich auf, beginnt zu gären und zu schwären bis Druck und Peristaltik den Strom wieder in Bewegung setzen.
Scheißtourismus.



In einer Kneipe spielen am Abend Charly Leitner und Willy Bell Oldies. Alles raucht und lauscht den beiden Gitarristen, deren verstärkte Instrumente über 2 scheppernde Boxen durch das Kellergewölbe gejagt werden. Das Bier wird im tiefgefrorenem Glas serviert, ein Hochgenuß.
Am nächsten Morgen werden wir beim Stadtbummel angesprochen. Es ist Charly Leitner. Seine Urgroßmutter saß mit Adolf Hitler in der Schulklasse. Wenn sein Vater ihn abholte, pfiff er nach ihm, wie nach einem Hund.
Die Folgen kennt man.
Charlys Familie zog dann nach Gmunden. Dort hat ein Verwandter von ihm öfter in der Stammkneipe von  Thomas Bernhard gesessen, aber nie ein Wort mit ihm gewechselt.





Sonntag, 11. November 2012

Vor der OP

Es gibt Regeln. Ich frage den Arzt, der morgens zur Visite kommt, ob ich noch mal Ausgang bekomme.
Eher nicht üblich, meint er. Ich könnte unter ein Auto laufen.
Und ein Restaurantbesuch könnte zu Durchfall oder anderen Unannehmlichkeiten führen.
Ich folge dem guten Rat, was sonst?
Hoffentlich stürzt kein Flugzeug ins AKH.
Und hoffentlich läuft kein Patient Amok.

Donnerstag, 8. November 2012

Der Herzschubs

Hoch oben, auf der 20. Ebene im AKH Wien warte ich auf eine OP.
Dabei hatte ich das Vergnügen, Aladin Basic kennen zu lernen. Er kommt aus Prijedor in Bosnien. Er ist Waise und mittlerweile 17 Jahre alt.
Er hat eine Herztransplantation hinter sich und ist ein sympathischer, witziger, hellwacher Junge.
Stolz zeigt er mir ein Trikot der bosnischen Fußball-Nationalmannschaft mit den Unterschriften aller Spieler.
Dann darf er zum ersten Mal wieder unter die Dusche und kommt fast nicht mehr raus vor Vergnügen.
Die OP wurde ausschließlich aus Spendengeldern finanziert. Anita, Malerin und aus der gleichen Stadt wie Aladin, managt vor Ort alles für ihn. Ich bin zutiefst beeindruckt und habe diese fröhliche Gesellschaft sehr genossen. Heute wurde Aladin nach einem halben Jahr Krankenhaus entlassen und ich wünsche mir, dass das alles eine Chance für ihn ist.
Anita, die Malerin, klärt mich auf, wie nach der OP, bei der ja das Herz ruhiggestellt und der Patient durch die Herz-Lungenmaschine am Leben gehalten wird, das Herz wieder geweckt wurde. Ich bin überrascht. Es wurde mit dem Finger angeschubst.
Was für ein Moment.

Homepage von Anita:
http://www.anitazecic.com/
Aladin:
http://translate.google.com/translate?hl=de&sl=hr&tl=de&u=http%3A%2F%2Fpuharska.net%2Faladin%2Ftransplatacija.html&anno=2

Nach etlichen Fachgesprächen erfahre ich, dass der Schubs nicht immer seinen Auftritt hat.
Das Herz beginnt spontan wieder mit der Pumperei, wenn die Gefäßklemmen weg kommen.
Ist doch auch schön, dass man das allein schafft.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Zur Verurteilung der Erdbebenforscher

Alle Wissenschaftler weltweit werden verklagt wegen Verharmlosung.
Sie wissen es alle und haben nicht gewarnt vor den Risiken von
fast allem.

Wo ihr zu Hause seid

"Bei mir sads alle im Oarsch daham,
im Oarsch dort is eicher Adress
Bei mir sads alle im Oarsch daham,
und I bin dem Oarsch sei Abszess."

Wunderbare Erwiderung auf alle möglichen täglichen Anwürfe.
Allein dafür hat es sich gelohnt, nach Österreich zu ziehen.

http://www.youtube.com/watch?v=eDuvpNkAKiw

Mittwoch, 17. Oktober 2012

B I L D

"for my chauffeurs"

"trust yourself"




"auch nur ein mensch"


"Terror"

Heimlicher Star unter den Sprayern, zwischen Atzgersdorf und Hauptbahnhof. Wie er wohl heißen mag, was er so tut und wohin es ihn wohl noch treibt?

Tags "Bild" "Lid" "ich" (?)

Samstag, 11. August 2012

Immer wenn ich in Saarbrücken bin,

regrediere ich und fühle meine Kindheit.  Doch dies ist das erste Mal, dass ich dabei tatsächlich körperliche Veränderungen bemerke. Ich hoffe, das geht wieder weg!

Sonntag, 15. Juli 2012

FJK

12. bis 14. Juli

Um halb 6 aufgewacht. Eine Schwester begrüßt uns mit „Guten Morgen“ . Wir sind 3. Ich bekam das Bett in der Mitte zwischen 2 Herren, die um einiges älter sind. Wir liegen auf H 31. H steht für Herz und ist eines der noch nicht runderneuerten Gebäude des Kaiser Franz Joseph Krankenhauses.
Es war sicher einmal ein wahres Prachtstück vor guten hundert Jahren großzügig angelegt mit Grünanlagen, einer von etlichen Pavillions.
Die Aufnahme war reibungslos verlaufen. Ich kam direkt von der Arbeit und die Schwester war sauer, weil ich so spät (aber genehmigt und angekündigt) kam. Eines der zahlreichen Kommunikationsprobleme. 

Heute regnet es und ich warte auf meine Herzkatheteruntersuchung. Ich hatte eine Voruntersuchung und erste Visite von 2 Ärzten bereits gestern nach meiner Aufnahme am Abend. 
Die beiden sind sehr jung, bemühen sich aber nach besten Kräften um einen souveränen Auftritt, eine feste investigative Stimme und die in Jahrtausenden gehegte Autorität des Medizinmannes. Das alles soll auch zu einem gediegenen Einkommen in absehbarer Zeit beitragen, incl. flottem Flitzer, Motoryacht und hipper Hütte.
Ich habe immer das Gefühl, dass die gleich schneiden wollen, aufmachen, Kontrolle über meine Organe. Noch nie kam die Frage: Was möchten Sie hier?
Ich möchte nämlich nicht operiert werden. Ich suche nach einer Medizin, die mich in meinem Wunsch unterstützt, mit meiner außergewöhnlichen (ich vermeide bewusst den Begriff „degeneriert“) Aortenklappe das Leben zu genießen.
Dafür verzichte ich gerne auf Höchstleistungen, die eine Zigarette am Abend und gehe auch gerne beruflich alles etwas ruhiger an. Natürlich sollte ich auch Infektionen vermeiden.
Einer der Ärzte sagte, Schwarzenegger hätte ebenfalls eine zusammengewachsene Herzklappe gehabt. Er hätte zuerst eine Schweineklappe einsetzen lassen, danach eine aus Metall. Und der Mann schaut doch prächtig aus. Das macht Mut. Aber ich möchte ja nicht operiert werden.
Ich möchte immer auf dem selben Wissensstand sein wie meine behandelnden oder untersuchenden Ärzte und mir eine Meinung bilden. Das allein ist schon krank.
Ich suche außerdem den Mediziner meines Vertrauens, einen, der zumindest den Anschein erweckt, dass er sich a) für mich und/oder b) für sein Fach, sprich meinen Fall interessiert.
Meine Herzklappe ist nämlich etwas besonderes und verdient Zuwendung und Interesse. Sollte ich den/die Supermediziner/in finden, werde ich mich und meine Herzklappe, falls erforderlich in seine/ihre Hände legen.
Ich soll noch zum Lungenröntgen. Können Sie gehen? Was sonst, denke ich, oder bedeutet der Aufenthalt in einem Spital, dass man die Gehfähigkeit abgibt? Und so werde ich telefonisch angekündigt als "gehender Patient". Nach dem begangenen Röntgen, melde ich mich auf meiner Station ab und benutze meine Beine, um als gehender Patient mit einer ersten Nadel im Arm das nahegelegene Kinozentrum aufzusuchen. Mein Bettnachbar ist neidisch, weil er an der Flasche hängt und nicht mit kann. Bis elf ist die Station offen, dann muss man klingeln. Der Arzt meint, früher hätte man dem Portier ein Trinkgeld gegeben, wenn man spät kam, ich solle schon mal einen Hunderter mitnehmen. Ist ja geschenkt.
Ich wähle Ice Age 4, weil ich es für die Psyche eines Spitalspatienten für aufbauender erachte als eine Tschernobyl-Doku.

Derweil werde ich mitsamt Bett durchs Haus geschoben, in ein Fahrzeug verladen und nach Kathederland verfrachtet. Da sind alle entspannt und ich werde zu jeder Zeit tadellos informiert, was da gerade gestochen, gespritzt, ein- und ausgeführt, rasiert, geschmiert oder geröntgt wird. Auf dem Monitor kann ich ein wenig mitverfolgen, wie so ein Fädchen sich in meiner Brust ringelt.
Ich kann ganz zart den Weg des Drahtes durch den Arm spüren, dann nicht mehr. Erkennen kann ich nichts, werde aber informiert, dass der heftige Strom meiner wuchtigen Klappe die Kamera immer wieder wegpustet, sodass kein Bild zustande kommt.
Deshalb muss nach etlichen Versuchen doch der Weg durch die Leiste gestochen werden, worüber ich mich nicht wirklich freue. Der Arzt meint, die ganzen Drähtchen wären optimiert für diesen Weg, weil es der traditionelle und erste Weg war.

Inzwischen fühlt sich mein Daumen etwas taub an und ich nutze das Vorhandensein einer Harnflasche, um dem kräftigen Drang des Kontrastmittels nachzugeben. Tut das gut. Endlich gelingt das Klappenshooting und ich werde erlöst. Mit Druckverbänden und Pflastern reise ich wieder per Bett zurück in meine Station. Erfrischende Regentropfen begrüßen mich. Oh, wie dankbar bin ich, dass die Hitzewelle ein Ende hat.

Vor dem Mittagessen erlebe ich meine erste Visite. Der Stationsarzt brüllt Anweisungen, Fragen, Antworten, Vorwürfe so laut, dass ich bereits über das Nachbarzimmer Bescheid weiß. Der Voraustrupp ist bereits im Zimmer. Zettelfuchtelnd folgt der Stationsarzt. Wem auch immer teilt er lautstark mit, dass er seit 80 Stunden im Dienst ist. Er wird sich doch nicht bei den Patienten ausheulen? Die Botschaft für uns 3 kommt an: Lasst den Mann bloß in Ruhe, nicht widersprechen, am besten überhaupt nicht sprechen oder vorsichtig bestätigen. Bei meinem Nachbarn geht es um einen Sturz in der Nacht, bei mir eigentlich um nichts, ausser dass ich angeblich nach Bad Homburg will zur Rekonstruktion, also einer der sich selber managt. Okay für ihn, eventuell ein wenig beleidigend für den medizinischen Standort Österreich, aber er lässt es nicht spüren und verspricht mir einen Arztbrief hoffentlich nicht für Bad Homburg, denn Homburg liegt im Saarland und ist Bad-los. Egal, ich bin durch.
Der arme S. kommt dann voll dran. Er ist sauer, weil es ihm um eine Herzklappe geht und er eine Darmspiegelung hatte. Tja, da sind halt noch ein paar Voruntersuchungen nötig, haben wir Probleme damit? 
Herr S. Grummelt.
Sagen Sie was
S. grummelt; basst scho.
Scheinbar nicht.
S. grummelt noch mehrmals ohne was zu sagen, bis er schließlich doch noch zum Ausdruck bringt, dass er das Gefühl hat, dass nix weiter geht.
Sie müssen sich auch gar nicht operieren lassen.
S. findet alles okay. Stationsarzt doch nicht explodiert nach 80-Stunden-Schicht.
Und schon sind alle weg und der Essenstransport fährt vor. Das ist unter den gegebenen Umständen das Highlight des Tages und hinterlässt drei wortlos sich vollstopfende Visitierte.
Richtig glücklich bin ich dann, als mich meine Frau besucht.
Man informiert mich, dass ich morgen nach der Visite aus-checken kann.
So nach und nach werden die Verbände entfernt und enthüllen 2 winzige, schön verheilte Eintrittswunden.
Die Nächte sind hart. Ich liege zwischen Schnarchbär und Rumpelstilzchen und im Nebenzimmer, einem Einzelzimmer residiert das Krokodil. Noch niemand hat es gesehen, jeder hat es gehört. Wer den Drachen Dagobert aus Kasperl kennt, sollte sich die dreifache Lautstärke vorstellen, dazu weniger Verständlichkeit und mehr Gejammer. Das Krokodil hat ausgedehnte Brüllphasen, gegen die wir uns durch sofortiges Verschließen der Flurtür zur Wehr setzen. Viel mehr kann man nicht tun, es sei denn man hat Ohrstöpsel oder Kopfhörer im Gepäck.
Nachdem meine Verbände entfernt und die Eintrittswunden gut verheilt sind, spaziere ich durchs Haus. Im Treppenhaus gibt es eine Fotoausstellung vielleicht von einem hobbyversessenen Primararzt, der sich so von den Niederungen stöhnender Krokodile erholt. Es geht um Delphine und andere Meerestiere. In originellen, qualitativ beachtlichen Fotomontagen schwimmen Fischschwärme durch die Wüste. Das Bild heißt in etwa „Clownfischfamilie auf Urlaub“.
Angekündigt werden neue Fotos im September. Schade, bin schon weg, denke ich, bis mein Blick auf die Jahreszahl fällt: 2007, das Jahr des Delphins.

Mein Liebling im Treppenhaus ist ein betagter Aufzug, dessen Besonderheit ist, dass er immer funktioniert und die Tür automatisch aufschwingt. Ich benötige 3 Fahrten, um endlich zu begreifen, dass ich die Finger von der Tür lassen muss. Dann sind wir dicke Freunde und ich beobachte ergriffen, wie dieses vorsintflutliche Teil gemächlich, aber verlässlich eine innere Falttür öffnet und dann mit Klick und Klack die äußere beige lackierte Tür öffnet. Man muss einfach nur Knöpfchen drücken und abwarten.

Im Keller stehen 2 Getränkeautomaten, einer davon für diverse Kaffeespezialitäten. Leider ist mir alles Kleingeld abhanden gekommen, sodass ich mich verzweifelt nach einer Wechselmöglichkeit umsehe. Da kommt ein kräftig gebauter Mann und bietet mir Hilfe an. Er kann zwar nicht wechseln, dafür spendiert er mir einen Kaffee, ist doch klar. Er ist türkischstämmig, d.h. wie ich migrationshintergründig. Seine Familie ist riesig, dreistellige Zahlen, und wächst rasant. Ich rechne hoch, dass sie innerhalb der nächsten 20 Jahre die Mehrheit in Österreich und Deutschland ausmachen könnte. Er sieht super aus und arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Techniker für das Krankenhaus. Außerdem ist er ein netter Typ.
Gerade erhalte ich den Arztbrief und nun trennt mich nur noch eine Nadel in meiner Vene vom Abflug. Als die Schwester kommt, fragen wir sie nach dem Krokodil im Nebenzimmer. Vorher war mir schon aufgefallen, dass die Schwestern öfter kicherten, wenn sie den Mann behandelten.
Sie meinte, er wäre lustig. Manchmal würde er weinen und singen. Er kommt schon seit Jahren, wegen Krankheit, meint sie kryptisch.  

Freitag, 15. Juni 2012

The Sound of Silence

Das Grundgeräusch, das kosmische Hintergrundrauschen der Stadt hat eine Hauptquelle und das ist der motorisierte Verkehr. Er brüllt rund um die Uhr, in der Nacht um ein paar kaum gefühlte Dezibel weniger als am Tag.
Vermutlich wurde im gesamten Stadtgebiet versehentlich Brüllasphalt verlegt.
In diesen Sound mischen sich überraschenderweise ein paar Singvögel, deren Existenz ich bisher angezweifelt hatte.
Verlässt man die Straßenebene nach unten, verstummt das Automobile und macht dem eisernen Geschrei der Subway Platz. Das rattert, rumpelt, quietscht dicht an der Schmerzgrenze. Wenn der Zug steht, ächzt er noch ein wenig nach und öffnet dann zischend seine Pforten. Es gibt 2 Arten von Zügen, den Express und den Lokalen. An vielen Stationen halten nur die locals. Da gibt es  Mittelspuren für die express trains, durch Säulen abgetrennt. Wenn ein express train durch die Station donnert, beginnt dies im unhörbaren Rumpelbereich, d.h. der Magen ist das Ohr. Das steigert sich recht schnell zu einem orgiastischen Höhepunkt, wenn das eiserne Geschrei, von den Säulen zerhackt, die ganze Station zum Erbeben bringt, und dann wird es wieder ruhig, so ruhig, dass man miteinander sprechen könnte, wäre man nicht mit Lesen, iphone-Gefummel oder Kaffeetrinken beschäftigt.
Wir erhöhen die Anzahl der täglich Transportierten auf 4,5 Millionen+2.
Das Subwaybrüllen dringt übrigens durch die Luftschächte nach draußen, vermählt sich mit dem Autogebrüll und erreicht unsere Fenster im 15. Stockwerk. Einmal dringen auch deutlich die Bässe eines nächtlich cruisenden Hiphop-Fans überlaut in diese Höhen. Entweder wurde er dabei für den Rest seines Lebens taub oder er war es schon.
Ein weiteres Hörerlebnis sind Brücken. Wir genießen den brutalen Heavymetalsound der Williamsburg Bridge direkt unterhalb am Ufer des East River. Auch da ein Mix zwischen Subway und Autos. Das Besondere am Brückensound sind die Fugen. Wer lange übt, könnte am Geräusch erkennen, welcher Reifen da gerade von der Fuge seinen Schlag erhält und antwortet.
Die Spitzen dieser Kakophonie werden zuverlässig behauptet von den nervigsten Sirenen weltweit von Ambulance, Police oder Firefighters, die gerade eine Katze von der Fensterbank im 18. Stockwerk retten.
Die Parks werden wiederum belagert von den Straßen und es ist ein Hochgenuss, zu erleben, wie deren Lärmpegel bei jedem Meter schwindet bis zu einem entfernten Rauschen. Und dann erst hört man wieder die Lebewesen der Stadt, erst die Kinder, dann die Vögel und dann das sanfte Geplätscher plaudernder Flaneure. Hin und wieder sind die Kopfhörer eines Joggers so laut eingestellt, dass man ein wenig mithören kann.
Und da ist er endlich, der Sound of Silence:

Mittwoch, 13. Juni 2012

USA today

Eine wichtige Komponente, wenn man wirklich eintauchen will in die Welt der Amerikaner ist, morgens USA today zu lesen. Heute ging es beispielsweise um "bullies" . Das meint: Schikanieren über Internet. Das führte im aktuellen Fall zum Selbstmord eines Teenagers. Er war sich seiner sexuellen Orientierung nicht sicher und wollte ein Mädchen werden. Die Gewaltbereitschaft der Straße setzt sich im Internet fort und soll auch da bekämpft werden.
Außerdem sollen Frauen nach der Menopause doch nicht soviel Vitamin D mit Kalzium futtern, um die Knochen zu erhalten und Darmkrebs zu verhindern. So gut waren die Studien doch nicht, die das so empfahlen. Also raus mit den Riesenvorratskübeln an Vitamin D aus den Hausapotheken.

Eine weitere Komponente ist das Frühstücksfernsehen. Über uns plärrt ein Flatscreen in die Hotellobby. Weil der Frühstücksraum völlig überlastet ist, sitzen wir unter der Glotze und ich gebe mir ein wenig Vitamin TV (CNN).
Da wollen die Republikaner einen semantischen Angriff auf den Begriff "climate change" starten, indem sie ihn einfach streichen und die Dinge vom großen Zusammenhang abschnippeln, indem sie "permanent flooding" sagen. Dann ist es halt immer wieder mal glühend heiß, es gibt entsetzliche Un wetter, Dauertornados, Riesenhagel, Monsterstürme, Dauerregen, Hitzewelle an Weihnachten aber das Klima ist eigentlich o.k.
Netter Versuch.


Montag, 11. Juni 2012

Halbzeit

Wir leben noch!
Gestern wurde der bisherige Kälterekord (by air conditioning) gebrochen. Den hielt der Lebensmittelladen in der Nähe der Studentenbude mit gefühlten 15 Grad in der Frischabteilung.
Die Subway unterbot das locker mit gefühlten 11 Grad im D-Wagen.

Wir hatten fast den ganzen Tag am Strand von Coney Island gegammelt und uns von Sonne und Meer verwöhnen lassen. Diesmal war es auch wirklich voll. Es war der erste offizielle Badetag des Sommers. Meine größte Sorge ist immer, dass sich jemand mit riesigem Ghettoblaster neben uns einrichtet und dann mit seinen Bässen mein Großhirn weichprügelt. Tatsächlich gab es um uns eine Menge solcher Geräte, die jedoch mit ihrem breit gefächerten Musikangebot ein wenig im Grundpegel untergingen.
Die Polizei ist immer präsent, entweder in 2er Patrouillen oder mit kleinen lustigen Strandbuggies, mit denen sie den Leuten über die Füße fahren. Das ist einerseits gewöhnungsbedürftig, auf der anderen Seite kommen eventuell vorhandene Hoodrats gar nicht erst auf dumme Ideen und so geht es recht friedlich zu, wenn sich alle Völker der Erde an diesem mächtigen Strand mischen.
Jutta haben es die Puerto Ricaner besonders angetan, die wohl irgendein Fest feiern und mit Liveband auf der Promenade abtanzen. Viele tragen Fahnen und alle strotzen vor Lebenslust. Dagegen schaut der weiße Durchschnittsami verdammt blass aus. So, als hätte ihn die Eroberung des Kontinents völlig ausgelaugt.

Ich mache mich mal auf die Sandalen zum Lunapark, um dort mein gefährlichstes Blähbäck-Video zu drehen:


Nach der Bearbeitung (Ausschnitt):



Sonntag, 10. Juni 2012

Rudern

Urlaub fängt an, wenn man alle Vorhaben über Bord schmeißt und sich treiben lässt.
Dieser Zustand ist ideal und ich kann mich nur annähern mit dem Ruderboot. Ich miete eines im Central Parc Boathouse und berudere damit gar nicht mal so ungeschickt, als hätte ich Seefahrer im Stammbaum, den Lake. Der ist wunderbar verwinkelt mit Brücken und kleinen Inseln . An stillen Uferecken gibt es zahlreiche Schildkröten und seltsame Vögel. Die Schildkröten liegen auf dem Felsen und machen Yoga.
Nur meine Tochter wagt es, bei mir einzusteigen, und wir drehen noch eine Runde, während ein zarter Regen herunternieselt und asiatische Paare Verlobungsfotos im Brautkleid schießen.
Am Nachmittag noch eine Pediküre (ich bin der einzige männliche Kunde) und dann das Match Nr.7 der Finals: Boston Celtics gegen Miami Heat.
Ein Schlachtfest und wirklich ein Urlaubstag.
Leider schmerzt der Hintern von der eisernen Ruderbank.
Central Park Boathouse


Samstag, 9. Juni 2012

Occupy ?

Mittags treffen wir uns mit unserer Tochter, die in der Nähe der Wall Street jobbt. Wir gehen dann zusammen essen. Im Zuccotti Parc, gleich gegenüber, begann die Occupybewegung. Davon ist nur noch wenig geblieben. Ein Aktivist sitzt an seinem Stand mit einer Sammeldose und ein paar Plakaten. er trägt einen Button mit der Aufschrift: "Hi, I'm God". Das mag wohl sein, zumindest kann ihm niemand das Gegenteil beweisen. Hin und wieder kommt es zu Diskussionen mit Passanten, doch Gott bleibt gelassen und hat auch die Wallstreet noch nicht mit einem sengenden Bltzschlag von der Erde gefegt.


Wenn  er so weitermacht, wird er noch vom Börsenstier gehandelt und aufgespießt.

Baseball

Wir sehen ein Spiel der New York Yankees gegen Tampa Bay im Stadion der Yankees. Die Anfahrt zieht sich von der Wall Street ganz im Süden bis in die Bronx, natürlich mit der Subway. Als nach langem Dunkel die Sonne mit gleißendem Licht in den Wagen bricht, atmen alle auf, als wäre es ein Ende der Polarnacht. Es hatte geregnet und es erwartet uns wieder einmal ein prächtiger Regenbogen und eine frisch gewaschene Stadt. In mächtigen Strömen pulst die Menge in Richtung des kolossalen Stadions, immer wieder mal im Fluss gestört durch Veteranen, die auf ihren Rollstühlen unterwegs sind, den Sammelbecher in der Hand, die Beine irgendwo im Irak oder in Vietnam.

Es ist eine mächtige Kathedrale. Unsere billigen Plätze sind ganz oben, dafür überdacht. Eine riesige Videowand zeigt Werbung und informiert über das Spiel. Baseball gehört zu den langweiligsten Sportarten der Erde und so werfen die Ameisen unten Bälle, die ein Schläger treffen sollte, damit sie nicht gefangen werden. Die Ameisen wechseln nach 3 Bällen. Das Spiel besteht aus 7 Innings und die Yankees schauen gar nicht gut aus. Die Dimensionen sind so gigantisch, als würde man von einem hohen Berg in eine tiefe Schlucht hinabschauen. Immer wieder pickt sich die Kamera Leute aus dem Publikum, die dann losschreien, wenn sie sich auf der Riesenwand sehen. Von der tierischen Fanstimmung in Fußballstadien ist das meilenweit entfernt. Noch bevor die Yankees mit 7 zu 1 in die Wüste geschickt werden, verlassen wir das Stadion und treten die über einstündige Subway-Odyssee nach Brooklyn in unser Hotel an. Ich lese mein Buch hauptsächlich auf diesen Fahrten und werde bald damit fertig sein. Es ist ein Thriller von Neal Stephenson: Cobweb und ich lese ihn im Original. Das macht fit.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Wortschatz erweitern

Hoodrats

sind Burschen aus finsteren Gegenden, denen es an allem mangelt außer an Selbstbewusstsein.
Grundausstattung: Kapperl, Hoodie und tiefergehängte Hosen (= Baggypants). Dazu I phone, I pot und gewaltige Kopfhörer.
Stolz kämpfen sie sich durch den Dschungel ihrer Umgebung und haben keine Berührungsängste mit Waffen, Drogen und Gewalt.

Da sie das nicht alleine schaffen, sammeln sie sich ein Gefolge an. Das sind dann ihre
Homies


Ganz anderer Natur ist der
Treehugger

Er will mit allen Mitteln die Welt, die Natur, bedrohte wie bedrohliche Arten schützen und wirft sich, um dies zu tun mit seinem Körper zwischen die menschlichen Attacken und deren Ziele. Sein Gewand ist aus Naturfaser und mindestens aus zweiter Hand, seine Taschen recycelt oder recycelbar. Er selbst, mitsamt seinen Mobilien und Immobilien ebenso. Seine Informationen bezieht er aus baumwollenen Netzwerken und Eingebungen. Er weiss, dass alle Medien gekauft sind und die Botschaft Satans verbreiten. Er muss nicht religiös sein, kann aber eventuell Einrad fahren oder jonglieren. Wenn er einem Wal begegnet, rettet er ihn durch von Mund zu Mundbeatmung und Herzmassage. Nie würde er einen Delphin reiten oder eine Legebatterie aufladen.
Alkohol und Drogen lehnt er ab, es sei denn sie entstehen aus natürlichen Gärungsvorgängen.
Er liebt den Duft eines Bioladens und riecht selbst ähnlich.
Mit der Beziehungsfähigkeit ist es so eine Sache. Deshalb zieht es ihn auch zu Pflanzen, die ihn körperlich anziehen. Und so wird er zum Treehugger, deutsch: Baumumarmer.















Wiederholung aus dem letzten Jahr:

Geezer

ist so etwas wie ein alter Knacker oder alter Furz (Fart). In der Subway, in der wir uns während unseres Stadturlaubs (nach dem Bett) die meiste Zeit aufhalten, sprechen Jutta und ich deutsch. Manchmal flechten wir einfach ein lautes "old geezers" ein, worauf sich einige Köpfe ruckhaft umschauen mit einem gewissen nervösen Ausdruck. Das sind dann immer die runzeligen Köpfe von "geezers".

Mittwoch, 6. Juni 2012

Auf die Schnelle



Grand Central auf die Schnelle
und die National Library auf die Gemütliche.
Beide prächtig, einmal Hektik beim Menschentransport und dann die Stille, die aus vielen lesenden Menschen tönt.
Nicht weit voneinander entfernt und durchaus hilfreich, wenn es im Juni schüttet und kalt ist.



Eigentlich war Moma geplant. Doch die Schlange davor war nicht nur endlos, sondern auch beregnet und beschirmt.

Montag, 4. Juni 2012

Gewinnspiel



Auf diesem Bild sieht man in der Mitte ganz winzig die Dame, die den Vereinigten Staaten Freiheit versprach und heute Mühe hat, dieses Versprechen zu halten. Unser Hotel liegt praktisch da, wo sie hinschaut.


Die Frage lautet: Wo liegt unser Hotel?

Der Standort ist mit ein bisschen Trigonometrie und Google Maps leicht zu ermitteln. Wer dem Ort am nächsten kommt, erhält als Preis die Überraschungstüte aus Brooklyn.
Viel Spaß beim Tüfteln. Ich mach lieber Urlaub.

Gestern hatten wir es mit Nackten zu tun.
Coney Island in der Früh, und das heisst wirklich früh, weil wir um 5 wachwerden. Der Strand liegt prächtig und fast leer zu unseren Füßen nach einer Anreise mit der N durch abblätternde, grindige Stationen.
2 Mädchen gehen mit Klamotten in die Brandung. Die Sonne scheint vom blitzeblauen Himmel, der Wind pustet frisch von irgendwo. Ein Mann hüpft lachend im flachen Wasser. Als er aufsteht, sehe ich, dass er keine Badehose trägt. Er nähert sich den Mädchen, die das Wasser fluchtartig verlassen.
Viele Russen hier. Bevor wir wieder verschwinden, trinken wir einen Espresso in einem russischen Café. Eine Frau aus Usbekistan, die kaum ein Wort amerikanisch spricht, bedient uns.
Auf der Fahrt nach Manhattan Morningside Heights (Studentenbude), müssen wir am Times Square umsteigen. Vor uns entblößt sich ein gewaltiger schwarzer Hintern, senkt sich nieder und ergießt einen kräftigen Strahl Urin an die Wand der Station. Ein Fall von Emergency?
Heute kaufe ich alleine ein für eine Lasagne. Die vielen Kühlregale lassen mich fast erfrieren, während ich mich durch die Logik des Ladens kämpfe. Das Hackfleisch finde ich schlussendlich in einem Geheimgang, den man nur erreicht, wenn man den Quantensprung beherrscht.
Während des Essens geht ein Unwetter nieder und beschert uns nach Donner und Blitz einen wunderschönen Regenbogen, genau über der Kathedrale. So ziert Gott seine Häuser.




Sonntag, 3. Juni 2012

Zu Fuß nach Manhattan

Hotelfrühstück: Warum sind die hier alle so schwer, obwohl sie alles nur als light-Version essen?

Wir gehen zu Fuß vom Hotel in Brooklyn, Prospect Park nach Manhattan über Brooklyn Bridge. Unterwegs verliere ich ein wenig die Orientierung. Sobald man etwas fragend in der Gegend herumschaut, wird man angesprochen, ob man Hilfe braucht.
Ein sehr freundlicher Schwarzer mit seinem Sohn. Er glaubt uns fast nicht, dass wir unser Ziel zu Fuß erreichen wollen, "really?"
Eigentlich sind das nur so um die 7 km. Für uns nicht der Rede wert, für einen Amerikaner die Reise zum Mond.
Die Schnellbahntrasse über uns ist under construction. Eingepackt in düstere Folien, stecken ihre Betonbeine in der Stadt. Winzige Arbeiterameisen versuchen diese Stadt und ihre rostige, wacklige, chaotische Infrastruktur mit Tixo zusammenzuhalten. Bis jetzt hält es.
Versteckt zwischen den Baustellen, Ansammlungen von Körperteilen.






Das eigentliche Tagwerk wartet in Mornigside Heights, Manhattan auf mich: In der Studentenküche im 15. Stockwerk Kartoffelpuffer backen. Dazu Obst, Salate und natürlich Apfelmus. Die Studenten und ihre Bewunderer wird es freuen. Ich belohne mich mit einem Glas Rotwein auf der winzigen Terrasse, halte das Glas aber gut fest und genieße den Augenblick.

Samstag, 2. Juni 2012

Immigration

Wir sind in New York angekommen nach flotten 8 Stunden Flug. Ich habe beschlossen, zu dieser Reise nicht öffentlich zu bloggen, Man wird zu einem Reporterwesen, das alle Erlebnisse auf Blogtüchtigkeit abbürstet und sitzt ständig wie ein Idiot mit dem Schlepptop herum, wenn andere Espresso schlürfen und auf ihrem i phone rumdiddeln.
Naja, eigentlich auch nicht besser.
Aber die, die einfach nur dasitzen und schauen und den Ort ganz für sich einsaugen, ohne das gleich der ganzen Community stecken zu müssen, die haben es mir angetan.
Also schreib ich jetzt nur noch kurz, dass die Einreiseprozedur fast 3 Stunden gedauert hat, die Taxifahrt über heillos verstopfte Straßen nochmal über eine Stunde.
Aber all das verliert seinen Schrecken, wenn man von einer strahlenden Tochter abgeholt wird und im Hotel 2 King Size Megabetten warten.
Oh wie schön der Blick aus dem 10. Stockwerk Richtung Brücke nach Staten Island, deren Spitzen im grauen Gewölk des frühen Morgens verschwimmen.